„Wüste Welle“-Mitarbeiter Christoph Wohlwill über Qualität – und was sie alles bedeuten kann

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Belätscherung gibt’s anderswo: Durch Freunde ist der Tübinger Christoph Wohlwill zur Wüsten Welle gekommen. Nach einem Workshop ging es mit der eigenen Sendung los. Seit 2006 arbeitet er in der Projekt- und Öffentlichkeitsarbeit, in Redaktion und Technik.

FLUGPLATZ: Christoph, was ist das Konzept der Wüsten Welle? Welche Philosophie steckt dahinter?

CHRISTOPH WOHLWILL: Das Konzept der Wüsten Welle ist im Grunde das der Freien Radios – uns ist es wichtig, dass wir mehr sind als nur ein Radiosender: Wir sind ein offenes Medium für alle Teile der Gesellschaft, stehen für Niederschwelligkeit und Kooperation. Ziel unserer Arbeit ist die Vermittlung von Medienkompetenz, etwa durch Workshops und Seminare: Also die Fähigkeit, mit neuen Medien und der allgegenwärtigen Informationsflut individuell und sicher umzugehen. Unsere Arbeit richtet sich besonders an marginalisierte Gruppen: etwa Menschen mit Behinderungen und Migrationserfahrungen, Frauen und Mädchen, Kinder und Jugendliche.

Jeder kann mitmachen – aber nicht jeder ist gleich gut. Wie bekommt ihr den Spagat hin zwischen nicht-professionellen Moderatoren und dem Wahren eines gewissen Qualitätsanspruchs?

Die Qualitätsdiskussion beim Freien Radio bezieht sich weniger auf die gesendeten Inhalte, als auf das den Sendungsmachenden vermittelte Wissen. Natürlich wollen wir gehört werden – und dafür wird auch viel getan, etwa bei Einführungskursen oder in der internen Aus- und Fortbildung. Aber eine Sendung von Flüchtlingen (nicht nur) für Flüchtlinge hat ihre Qualität auf einer ganz anderen Ebene als nur auf der des Unterhaltungswerts. Wir behalten uns also in gewisser Weise vor, zu beurteilen, was „gut“ ist.

Das Programm ist kunterbunt. Wenn man das Radio anschaltet, weiß man meist erst nicht, was da läuft.

Die Wüste Welle ist ein Programmradio. Es finden ständig inhaltliche und stilistische Brüche statt. Das ist auch gewollt so. Es ist dem Prinzip geschuldet, dass fast hundert Prozent des Programms von Freiwilligen gemacht wird. Dadurch ist für alle etwas dabei, aber eben nicht immer. Man muss sich Zeiten und Sendungen aussuchen, die einen interessieren. Das hat den Vorteil, dass auch kleinere Interessengruppen ihre Sparte finden. Der Nachteil ist, dass man uns nicht so gut „nebenbei“ hören kann, wir belätschern die HörerInnen nicht nur. Wir finden, für entspannte Belätscherung sorgen schon die privat-kommerziellen Weichspülradios vollkommen ausreichend. Zudem gibt es auch bei uns Sendungen, die zuverlässig zu einer bestimmten Zeit Informationen und Interviews aus der Region und darüber hinaus liefern, wie beispielsweise Lokalmagazin, Infomagazin, Bildungsmagazin.

Und was ändert sich mit den Zeit?

Es gibt jedes Halbjahr ein neues Programmschema. Das beinhaltet ältere Sendungen, aber auch viele Neueinsteiger, die das Programm auffrischen. Gleichbleibend ist es nie, was auf der Wüsten Welle gehört werden kann.

Hört es überhaupt jemand?

Ja. Bei den nichtkommerziellen Radios in Baden-Württemberg gibt es allerdings keine Einschaltquoten, diese Frage ist also nicht exakt zu beantworten. Orientieren können wir uns nur den an „Mediakennzahlen“ der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg. Sie beruhen auf repräsentativen Telefonumfragen, die zweimal im Jahr durchgeführt werden. Aufgrund dieser Zahlen können wir davon ausgehen, dass wir täglich rund 16.000 einzelne HörerInnen haben.

Ist es nicht sehr speziell, wenn auf anderen Sprachen gesendet wird? Hört sich dieses Klientel nicht eher die anderssprachigen Sender aus dem Internet an?

Wer was genau anhört, können wir leider nicht beantworten. Die anderssprachigen Sendungen werden schon viel gehört und gern genommen – denn auf welchem Internetsender bekommen unsere griechischen, türkischen, eritreischen oder brasilianischen Mitmenschen denn sonst aktuelle Informationen aus der Region, in der sie leben und Informationen aus ihrem eigenen Kulturkreis – und das auch noch in der Muttersprache?

Möchtest du noch etwas sagen?

Nicht nur Einschalten – sondern auch Mitmachen!

Interview: Zoulikha Outaggarts

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