WM-Hype: Wo hört der Sport auf?

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Junge Fans in Mössingen. Bild: Rippmann

Wenn Deutschland spielt, dominieren in der Stadt die Farben Schwarz, Rot und Gelb. In Form von Fahnen, Kleidung, Körperbemalung oder als sonstige Fanartikel. Die Identifikation mit dem eigenen Land wird nur alle vier Jahre, zur Fußballweltmeisterschaft, so deutlich und ungehemmt gezeigt. Dabei geht es natürlich nur um den Sport, um den Fußball, so heißt es. Natürlich tut es das oft.

Trotzdem scheint es manchmal doch beinahe etwas irrational, dass fast ein ganzes Land vor Freude jubelt, wenn die Nationalmannschaft gewinnt. Schließlich ist das ja ausschließlich deren Verdienst.
Warum so gefeiert wird? Im Grunde weiß das auch jeder: Es gibt es natürlich doch, das Nationalgefühl. Wenn ganz viele zusammen für eine Sache fiebern – dann entsteht eine Verbundenheit – und Elektrisierung. Ist das denn schlimm? Etwas Nationalgefühl? Ein wenig „Patriotismus“?
Einige politische Gruppierungen rufen schon bei diesen Worten höchste Alarmstufe aus: Patriotismus ist quasi gleich Nationalismus, Faschismus und Rassismus. Wirklich? Wer für die Nationalelf fiebert, ist Nazi? Natürlich nicht. Wer den Verstand voll behält, und wo das Nationalgefühl rein positiver Natur ist, die menschliche Toleranz nicht unter ihm leidet, wo die Elektrisierung positiv bleibt, da ist etwas Fußballpatriotismus noch lange kein Nationalismus: Ein bisschen mitfiebern macht Spaß und ist nicht zu verteufeln.
Wie allerdings bekannt ist, ist das bei weitem nicht immer der Fall: Die Elektrisierung, die bei Fußballspielen entsteht, kann schnell ins Negative umschlagen. Wo die Emotionen nicht mehr vom Verstand geleitet werden und der auf Fußball beschränkte Patriotismus in feindseligen Nationalstolz umschwenkt, ist die Grenze des Guten schnell erreicht. Selbst friedliche Menschen, die sonst keine Vorurteile zeigen, klopfen in der Atmosphäre eines Fußballspiels gern mal Sprüche, die jenseits des guten Geschmacks sind. Und die schlimmstenfalls andere verletzen.
Auch wenn Gewalt und Feindseligkeit nicht direkt zum Vorschein kommen, es ist nun einmal wahr: Gerade mit der Vergangenheit unserer Bundesrepublik ist nicht zu spaßen. Da gibt es nichts zu feiern – und Parolen wie „Superdeutschland, Superdeutschland!“ haben beim Fußball und generell einfach nichts zu suchen. Die Grenzen sind hierzulande einfach ein wenig schneller erreicht als in anderen Nationen – das ist nunmal Fakt und muss verstanden werden.

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