Wisch – und weg

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Annabelle Wegner
Bild: Metz

FLUGPLATZ-Autorin Annabelle Wegner zur Dating-Plattform Tinder.

Es spalten sich die Geister zum Thema Tinder. Viele Nutzer haben die App aus (wie sie zumindest sagen) „Spaß“ auf dem Handy – und wischen in der Freizeit oder beim Auf-den-Bus-Warten gerne ein wenig wahllos auf dem Touchscreen hin und her. Das Ganze funktioniert so: Auf deinem Display erscheinen potenzielle Chat-Partner, die zuvor eingegebenen Vorlieben entsprechen. Durch ein Wisch nach links signalisiert man ihm, dass man ihn ganz nett findest – und durch einen Wisch nach rechts, dass man ihn eher räudig findest. Und nachdem der Tinder-Partner ebenfalls ein Wisch nach links getätigt hat, kannst man persönlich mit ihm chatten oder ihn treffen.


Allein nach dem Aussehen entscheidet hier der Nutzer, ob er mit einer Person in Kontakt treten möchte oder nicht. Ganz schön oberflächlich – so argumentieren die einen. Genau wie in der echten Welt – das sagen die anderen. In einem Café etwa spreche man ja auch niemanden wegen seines tollen Charakters an.

Der durchschnittliche Tindernutzer ist zwischen 18 und 27 Jahre alt, Student und locker drauf. Er macht irgendwas mit Medien oder BWL. Er sucht vielleicht nicht die ganz große Liebe – sondern hofft eher, ein paar „Likes“ abgreifen zu können, um sein Selbstbewusstsein zu pushen.

Es ist bei Tinder einfach – eventuell zu einfach –, Kontakt aufzubauen. Ein Wisch nach links, ein Treffer, ein kurzes „Hey“, ein paar Nachrichten, das erste Treffen. Wird das ehemals romantische Dating nun wirklich immer mehr an unsere beschleunigte Welt angepasst?

Mit einem Tipp kann schon einiges herausgefunden werden. Die Verknüpfung von Tinder mit anderen Sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder Spotify verrät gemeinsame Interessen – und eröffnet noch mehr Bilder von Sixpacks, Sushi und Co. Zu guter Letzt kann man so auch die Lieblingsmusik des neuen Schwarms rauf und runter hören.

Es ist amüsant, keine Frage. Ich lache viel und herzlich über die teilweise lustigen Selbstdarstellungsversuche von Leuten auf Tinder – und die teils sehr kreativen Anmachsprüche, die ich in den vergangenen Wochen gelesen habe. Tinder scheint ein Sammelbecken für Komiker, Experimentierfreudige, Fetischisten und wirklich Verzweifelte zu sein.

Man findet alles. Vom süßen Jungen von nebenan über den Fußfetischisten, der Comics von Füßen als Profilbild hat, bis hin zum klassischen Macho, dem man schon ansieht, dass er wohl nicht auf ein romantisches Candle-Light-Dinner aus ist.

Doch es gibt durchaus auch Ausnahmen: Man kann Glück haben und die Nadel im Heuhaufen finden. Aus einem kleinen Flirt kann durchaus auch unerwartet die große Liebe werden. Allerdings sollte Tinder gerade hier in Tübingen mit Vorsicht genossen werden: Nicht, dass man versehentlich den neuen Prof datet oder den zukünftigen Mitbewohner. Alles schon vorgekommen. Viel Spaß beim (Dich-)Ausprobieren!

von Annabelle Wegner

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