Was passiert, wenn in der Zeitung was nicht stimmt?

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Winfried Gaus, Redaktion Tübingen 02.07.13 Bild: Metz

Winfried Gaus Bild: Metz

Als erstes kommt es darauf an, wie schwerwiegend ein Fehler ist“, so Winfried Gaus, Chef vom Dienst beim SCHWÄBISCHEN TAGBLATT: „Zum einen gibt es die ganz klassischen Fehler: Datum, Ort, Uhrzeit“, sagt er. Solche Fehler passieren bei allen Zeitungen immer wieder. Um sie zu korrigieren, erscheint einige Tage später eine Berichtigung. Bei einem Hörfehler indes – zum Beispiel bei einem Vortrag – erreichen die Redaktionen oft erboste Anrufe der Veranstalter. – von Eva Gförer

Dann wird ebenfalls einige Tage später der Fehler in der gedruckten Ausgabe berichtigt, hier jedoch meist ausführlicher. Komplexer ist die Sache aber in anderen Bereichen: Bei Themen ohne sichere Informationsquelle muss der Journalist immer beide Seiten zu Wort kommen lassen. Wenn er dies nicht tut und ohne kritisch zu hinterfragen nur eine Seite beleuchtet, kann das juristische Folgen haben.

Ein Beispiel: Ein Mann beschuldigt einen anderen Mann des Diebstahls. Ein Schmierenjournalist veröffentlicht nun in der Zeitung diesen Vorwurf. Wenn er in der Zeitung berichtet, aber nicht die Seite des Beschuldigten wiedergibt, ist das rechtlich nicht korrekt. „Er muss immer beide Seiten wiedergeben“, so Gaus. Auch wenn der Artikel veröffentlicht wurde, kann immer noch eine Gegendarstellung eingefordert und abgedruckt werden. Laut Presserecht hat jeder Anspruch auf eine Gegendarstellung. Wenn sich der Journalist jedoch jeglicher Gegendarstellung verweigert, kann diese juristisch erzwungen werden. Dann droht dem Journalisten eine Geldstrafe oder eine Vergleichszahlung.

Zu einer saftigen Schadensersatzzahlung oder sogar einer Haftstrafe kann es kommen, wenn er Lügen über eine Firma berichtet und diese dadurch finanziellen Schaden erleidet. „Die eigene Meinung spielt schon eine Rolle, darf aber nur in einem sogenannten Kommentar wiedergegeben werden“, erklärt Gaus. In einem nachrichtlichten Text hat sie also nichts verloren. Jede in der Zeitung namentlich genannte Person hat ein Recht auf Gleichberechtigung. Anders als bei Privatpersonen, müssen Politiker oder öffentliche Personen Kritiken in der Zeitung ertragen.

Differenziert wird im Einzelfall. Im 19. Jahrhundert war es gar üblich, dass jede Zeitung ihren eigenen Sitzredakteur hatte, der für Fehler ins Gefängnis ging. So blieb die Zeitung weiterhin arbeitsfähig. In Ländern, in denen es keine richtige Presse-und Meinungsfreiheit gibt, kann bereits eine kritische Äußerung gegen die Regierung zu harten Konsequenzen wie Gefängnis-oder Todesstrafe führen. Wenn Sie nun den Artikel aufmerksam gelesen haben, konnten Sie vielleicht den einen oder anderen Fehler entdecken. Nur leider konnte ich nicht herausfinden, was mir droht, wenn ich als Journalistin in der Jugendzeitung falsch berichte.

Eva Gförer

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