Was droht mir, wenn ich Zeugnisse fälsche?

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Rechtsanwalt Stefan Zepernick. Bild: Erich Sommer 31.08.2015

Rechtsanwalt Stefan Zepernick. Bild: Erich Sommer 31.08.2015

Mit den rechtlichen Konsequenzen des Schummelns kennt sich Stefan Zepernick, Fachanwalt für Arbeitsrecht, aus. „Lügen haben kurze Beine“, sagt er. „Aber die Konsequenzen können je nach Lüge unterschiedlich schwerwiegend sein.“

von Eva Gförer

Außerdem sei nicht jede Lüge strafbar: Es gibt sogar Fälle, in denen man lügen darf. Einer davon ist das Lügen über eine Schwangerschaft in einem Vorstellungsgespräch: Hier darf die Frau schummeln, da sie vom Arbeitgeber wegen der Schwangerschaft benachteiligt werden könnte. Das ist einer der ganz wenigen Fälle, in denen Schummeln keine direkten juristischen Folgen hat.

Die Fälschung eines Abschlusszeugnisses indes ist strafbar. Die Urkundenfälschung kann auch Konsequenzen für Studium oder Auswirkungen auf ein Arbeitsverhältnis haben: Wenn der Arbeitgeber mit einem Bewerber einen Arbeitsvertrag abschließt und sich später herausstellt, dass der inzwischen Angestellte gar kein Abitur hat, kann der Arbeitgeber den Vertrag anfechten. Dies kann der Chef auch noch Jahre nach der Anstellung tun. Auf eine Lohnrückzahlung kann der Arbeitgeber jedoch nicht hoffen, weil er dem Arbeitnehmer die geleistete Arbeitszeit nicht zurückgeben kann.

Stefan Zepernick kennt außerdem einen Fall, wo ein Postbote Zeugnisse fälschte und sich psychiatrisches Wissen anlas: „Schließlich brachte er es zum Leitenden Oberarzt in der Psychiatrie“, sagt Zepernick. Der Mann hatte nie studiert, fertigte aber Gutachten über Straftäter an. Erst nach langer Zeit flog seine Lüge und die Urkundenfälschung auf. Daraufhin verlor er seine Anstellung und musste vier Jahre in Haft – doch die meisten von ihm erstellten Gutachten blieben bestehen.

Auch an Universitäten wird geschummelt: Ein Richter aus Hannover soll Prüfungsaufgaben an Jurastudenten verkauft haben. Sollte ihm das nachgewiesen werden, droht den Studenten die Aberkennung der Prüfungen. Dem Richter drohen Verlust seines Richterscheins und eine Haftstrafe. Das Fahren mit gefälschten Papieren oder ohne Führerschein ist ebenfalls strafbar: Das Ausmaß der Strafe orientiert sich am Vorstrafenregister und dem Einkommen der Person. Im Fall des Fußballers Marco Reus, der mit gefälschtem Führerschein erwischt wurde, verhängte das Gericht eine Strafe von 90 Tagessätzen zu je 6000 Euro. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Reus wieder aufgenommen, um zu klären, ob er tatsächlich nur vier mal mit seinem Aston Martin ohne Führerschein unterwegs war. Sollte sich herausstellen, dass er häufiger ohne Führerschein unterwegs war, wird es für ihn noch teurer – und er bekommt eventuell sogar eine Bewährungsstrafe.

Eva Gfrörer

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