Was bringt der Frühling? Warme Hütten!

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Bild: Leonie Kommerell

Bild: Leonie Kommerell

Bernhard Schülke ist 38, lebt mit seinem Hund Nuca in Tübingen und ist wohnungslos. Erst seit zwei Tagen hat Schülke in seiner Hütten-Unterkunft am Neckar. wieder fließendes Wasser. „Bis dahin war bei uns die Wasserleitung eingefroren“, erzählt er: „Gott sei Dank, jetzt läuft es wieder!“ – von Leonie Kommerell

 

Nur ein Grund mehr für Bernhard Schülke, sich auf den Frühling zu freuen. Es gibt jedoch noch eine Menge anderer Gründe für ihn – zum Beispiel der, dass auch das Wäschewaschen im Frühling unproblematischer wird: „Da muss ich nämlich im Winter bei Eis und Schnee zur Südstadt – und es dauert dann lange, bis die Klamotten trocken sind!“
Wie lebt es sich überhaupt für einen Menschen ohne Wohnung in einer reichen Stadt wie Tübingen? „Ich habe endlich einmal Glück gehabt“, sagt Schülke und lacht dabei: „Ich habe zwar keine Wohnung – aber einen Platz im Hüttendorf gefunden. Dort bin ich auch gut über den Winter gekommen.“
Es stimmt, Bernhard hatte bisher nicht viel Glück in seinem Leben: Ohne Schulabschluss und Berufsausbildung reißt er als junger Erwachsener von seiner Pflegefamilie aus. Er reist von einem Ort zum anderen, lange Zeit bleibt er in Norddeutschland, nach dem Aus einer Beziehung haut er von dort ab. Seit November 2014 sind er und sein Hund Nuca nun im Hüttendorf.
Das Hüttendorf wurde im Jahre 1989 von einer Bürgerinitiative errichtet. Grund war der Kältetod eines Obdachlosen auf Tübinger Straßen – das rüttelte viele Menschen auf. Bis zu drei Leute plus Hund können dort einen Schlafplatz finden. Genau das macht das Hüttendorf zu so etwas besonderem: Wohnungslose können hier mit ihren Tieren unterkommen. In vielen anderen Unterkünften ist dies nicht möglich. Allerdings gibt es bis heute keine Baugenehmigung für die Hütten. Dennoch werden sie von der Stadt toleriert und unterstützt.
Noch lebt Schülke von Hartz IV, ist aber guter Hoffnung, einen Job zu finden. „Die Firmen suchen mittlerweile händeringend Leute – das muss auch mal bei mir ankommen.“
Bis es so weit ist, genießt er noch die warmen Frühlingstage, vor allem am Schloss, seinem Lieblingsort: „Dort sind nur wenige Leute – und man sieht über die ganzen Dächer der Stadt.“  Leonie Kommerell

Das Hüttendorf sucht derzeit nach handwerklich begabten Leuten, die ein Dach flicken können. Material wird gestellt. Kontakt über die Wohnungslosenhilfe: www.wohnungslosenhilfe-tuebingen.de

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