Was bringt der Frühling? Optimismus!

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Rene Ziegler Uni Tübingen Psychologie Privatbild

Rene Ziegler / Privatbild

Prof. René Ziegler ist Sozialpsychologe am Arbeitsbereich Sozial- und Wirtschaftspsychologie der Universität Tübingen. Jetzt, wo die ersten Sonnenstrahlen die Nasenspitze kitzeln und der dicke Wintermantel im Schrank bleibt, verhalten wir Menschen uns von Jahr zu Jahr immer wieder gleich: Raus aus den Winterdepressionen, rein in die Frühlingsgefühle. Stimmt das überhaupt? Oder ist die gern genannte Winterdepression nicht mehr als ein Mythos, um schlechte Laune zu erklären?


„Winterdepressionen sind kein Mythos, sie sind echt“, erklärt Ziegler: Man sollte die allbekannte Winterdepression allerdings eher „Herbstdepression“ nennen – denn schon im Herbst, wenn die bunten Blätter fallen und die Tage kürzer werden, fehlt das Sonnenlicht. Dies ist aber nicht unwesentlich, so Ziegler, um Depressionen eher zu vermeiden. Aber nicht jeder wird im Winter depressiv: Es gibt Menschen, die von ihrer Natur aus eine Tendenz zur Depression haben. Sie verfallen auch schneller in eine Winterdepression.
Aber: Mit dem Frühling ist es nicht schlagartig vorbei mit der depressiven Stimmung. Bei vielen gehen die Depressionen auch in den Frühlingsmonaten weiter. Anderen wiederum helfen die ersten Sonnenstrahlen aus dem Tief herauszukommen.
Hat man das Wintertief einmal überwunden, kann es unglaublich schnell zum nächsten Hoch kommen: den Frühlingsgefühlen. Wer kennt es nicht? Die ersten Schmetterlinge im Bauch, man riecht an jeder neu aufgeblühten Blume, man fühlt sich einfach wie neu. Doch gibt es Frühlingsgefühle wirklich?
Nicht ganz, sagt der Sozialpsychologe. Es sei eher eine Kettenreaktion: Das viele Schwarz-Weiß ändert sich schlagartig. Die Tage werden länger, der Himmel wird wieder richtig schön blau, die Sonne versteckt sich nicht mehr hinter Wolken, die Pflanzen treiben wieder, es wird wieder bunter. Der Kontrast verbessert unsere Stimmung. Es gebe Belege, dass wir optimistischer in den Frühlingsmonaten werden, sagt Ziegler: Wir sind voller positiver Erwartungen, was zur selbsterfüllenden Prophezeiung führt. Wir fühlen uns besser, sind ausgelassener, sprechen dadurch eher andere Personen an als im kalten, grauen Winter.

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