Vater, Mutter, Mutter, Kind

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Es klingt nach Science Fiction, kann nach Ansicht von britischen Wissenschaftlern aber schon in zwei Jahren Realität werden: Kinder mit drei Eltern – Was zunächst nach einer Horrorgeschichte aus Frankensteins Labor klingt, ist in Wirklichkeit eine besondere Art der Therapie bei mitochondrialen Defekten.

Mitochondrien sind einer der wichtigsten Bestandteile jeder lebenden Zelle: Man kann sie sich wie kleine Kraftwerke vorstellen, die die Zelle mit Energie versorgen – rund 90% der Energie, die der Körper benötigt, wird von den Mitochondrien bereitgestellt. Demenstprechend groß ist das Problem, wenn die Mitochondrien nicht richtig arbeiten.

Genetisch gesehen nehmen Mitochondrien eine Sonderposition ein – denn sie besitzen, unabhängig von unseren Genen im Zellkern, ihre eigene DNA. Es wird vermutet, dass Mitochondrien in der Anfangsphase des irdischen Lebens eigene Einzeller waren, die mit anderen Zellen eine Symbiose eingegangen sind, in der sie – indem sie von ihr „verschluckt“ wurden – von der Zelle beschützt werden und im Gegenzug Energie bereitstellen. Da Mitochondrien sich unabhängig von der eigentlichen Zelle vermehren, werden sie bei der Fortpflanzung immer von der Mutter weitergegeben – denn im Gegensatz zur Eizelle stellt der männliche Samen ausschließlich einen Teil der Zellkern-DNA. Wenn die Mutter aber defekte Mitochondrien besitzt, heißt das auch, dass das Kind diese auf jeden Fall auch hat, da sich die mitochondriale DNA der Mutter nicht mit der des Vaters mischen kann.

Bestandteile einer Zelle

Bestandteile einer Zelle. Beschrifted sind die Mitochondrien, die „Kraftwerke“ einjeder Zelle.
Bildquelle: Wikimedia

Um dieses Problem zu lösen, wurde nun die neue Therapie entwickelt. Ziel der Therapie ist es, dem Kind die Mitochondrien einer gesunden Spenderin zu geben, die die der Mutter ersetzen. Im Kern wird einer Eizelle der Spenderin der Zellkern entnommen und durch einen der Mutter ersetzt, daraufhin wird ihr die Eizelle eingepflanzt. Die Befruchtung findet vor oder nach des Zellkernaustausches statt.

Das Kind, welches dabei entsteht, ist genetisch nicht von einem „regulär“ gezeugten Kind der Eltern zu unterscheiden – Es hat lediglich die Mitochondrien einer anderen Frau. Somit hat es, streng genommen, drei biologische Eltern. Auf diese Weise ermöglicht man dem Kind ein beschwerdefreies Leben, das es auf eine andere Weise nicht haben kann.

Noch befindet sich die Therapie im Teststadium, nach Ansicht der Wissenschaftler könnte sie aber bereits in zwei Jahren zur Anwendung kommen. Bereits 2009 wurde sie an Makaken getestet, der so gezeugte Nachwuchs ist noch heute gesund und zeigt keine Anzeichen der Erkrankung.

Quelle: I Fucking Love Science

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Flugplatz-Autor und -Karikaturist seit 2010, seit 2012 Mediengestalter-Azubi beim Schwäbischen Tagblatt. Ich schreibe am liebsten über Kunst, Wissenschaft und Videospiele und sorge dafür, dass auf der Homepage alles rund läuft.

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  • Dreamy

    das finde ich schlimm. Immer weiter entfernt sich der mensch von der Natur nur weil die nciht wissen was Liebe ist.

    was kommt als Nächstes? Cyborg-Hybrid-Baby mit 5 Eltern?

    • Rafael

      Bei der Sache geht es nicht primär darum, Babys aus der Retorte zu zeugen oder den natürlichen Weg zu umgehen. Es geht darum, dass das natürlich gezeugte Kind einer betroffener Frau aufgrund des defektes nicht oder nur eingeschränkt Lebensfähig wäre. Diese Threapie ermöglicht dem nachwuchs ein normales Leben – und genetisch findet kein relevanter Eingriff statt, da die chromosomale DNA, die den einzelnen Menschen ausmacht, unverändert bleibt.