Review: The World Ends With You

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2008 brachte Jupiter, eines der Entwicklerstudios hinter der populären Kingdom Hearts-Reihe, ein neues, durchgestyltes Spiel für den Nintendo DS heraus: The World Ends With You. Obwohl es unter Fans schnell zum Kultspiel wurde, erlangte es nie größere Bekanntheit. Nach Jahren veröffentlichte Square Enix eine überarbeitete Version des Spiels: The World Ends With You: Solo Remix, für Smartphones und Tablets – eine neue Gelegenheit für Spieler, dieses kleine Meisterwerk für sich zu entdecken.

 

Titel: The World Ends With You
Plattform: Nintendo DS, iOS, Android
Genre: Action-RPG
Entwickler: Jupiter, h.a.n.d.
Publisher: Square Enix
Erschienen: 18. April 2008 (DS), 27. August 2012 (iOS *), 26. Juni 2014 (Android)

 

Story

Neku Sakuraba ist nicht gerade ein Menschenfreund – in seiner eigenen Welt ist nur er sich selbst wichtig. Andere Menschen meidet er, so sehr es geht.
TWEWY_Screenshot_2015-03-05-22-52-22Eines Tages wacht Neku mitten im belebten Shibuya auf, ohne eine Erinnerung an seine Vergangenheit. Eine merkwürdige SMS erscheint auf seinem Handy: „Erreiche 104. Du hast 30 Minuten. Versage und werde ausgelöscht.“ Als zu allem Übel auch ein Timer auf seiner Hand erscheint und er von grafittiartigen Fröschen angegriffen wird, wird er vor den Passanten ignoriert – nur das Mädchen Shiki scheint ihn zu bemerken.

Shiki drängt Neku dazu, einen Pakt mit ihr zu schließen – Nur so können sie die Kreaturen, genannt Noise, besiegen. Als Neku danach verschwinden will, heftet Shiki sich an seine Fersen, da sie  einen Pakt haben. Sie klärt ihn darüber auf, was um sie herum geschieht: Beide sind im Spiel der Reaper gefangen, das in einer anderen Realitätsebene, dem Underground, stattfindet. Sieben Tage lang müssen sie und andere sogenannte Player Missionen erledigen – wenn sie es nicht schaffen, werden sie ausgelöscht.
TWEWY_Screenshot_2015-04-18-09-43-04Doch das Spiel der Reaper ist nicht nur irgendein Spiel. Jeder Player nimmt aus einem bestimmten Grund daran teil: Er ist tot und kämpft um eine zweite Chance im Leben. Während Neku gezwungenermaßen lernt, sich anderen Menschen zu öffnen, versucht er herauszufinden, wer ihn ermordet hat und weshalb. Und entdeckt, dass er nur eine Schachfigur in einem Spiel ist, das die Existenz des Underground bedroht und die Regeln der Realität umschreiben will

 

Gameplay

The World Ends With You ist nicht nur optisch und akustisch an die japanische Pop- und Jugendkultur angelehnt, sondern macht diese zur Basis der gesamten Spielweise.
Um zu kämpfen, stellt sich der Spieler ein Deck aus Pins zusammen, von denen jeder eine besondere Fähigkeit, genannt Psych, hat, etwa Angriffstechniken, Heilung oder passive Buffs. Diese Pins werden im Kampf verwendet, gekämpft wird über den Touchscreen. Die unzähligen Angriffstechniken reichen von Antippen über Ziehen bis schnell Wischen. Manche Psychs werden auch durch besondere Inputs, z.B. ins Mikrofon pusten, aktiviert.
TWEWY_Screenshot_2015-03-03-11-20-49Neku kämpft nicht allein: Er hat immer einen Partner, der an seiner Seite kämpft. Wechseln sie sich bei ihren Angriffen ab, füllen sie einen Combozähler, der, wenn er voll ist, einen flächendeckenden Angriff ermöglicht.
Ist man auf größeren Gewinn aus, hat man die Möglichkeit, seinen eigenen Level jederzeit zu reduzieren. Dadurch hat man weniger Energie, im Gegenzug wird aber die Droprate stark erhöht: größere Belohnungen für größeres Risiko. Außerdem schaltet man mit der Zeit die Möglichkeit frei, den Schwierigkeitsgrad des Spiels jederzeit zu ändern – sowohl leichter als auch schwiergier. Die seltensten Belohnungen gibt es nur auf den hohen Schwierigkeitsgraden. Das erhöht den Wiederspielwert – zusammen mit der Tatsache, dass das ausgefallene Kampfsystem großen Spaß macht und man deshalb oft weitere Noise angreift, ohne dass die Handlung es vorgibt.
TWEWY_Screenshot_2015-04-11-16-31-06Gewinnt man einen Kampf, erhält man Pin Points, kurz PP, mit denen Pins aufgelevelt werden. Einige Pins können sich in neue Pins entwickeln, wenn sie mit den richtigen PP aufgelevelt wurden. Es gibt mehrere Arten, PP zu bekommen – eine davon ist sogar, das Spiel nicht zu spielen. Startet man das Spiel erneut, erhält man PP – je länger die Spielpause, desto mehr PP erhält man.

TWEWY_Screenshot_2015-03-17-08-20-25Anstatt klassischer Rollenspiel-Ausrüstung werden die Charaktere mit T-Shirts, Jeans, Hüten, Schuhen, Taschen und unzähligen Accessoires ausgestattet. Jedes Kleidungsstück und die meisten Pins gehören einer von dreizehn Marken an. Je nachdem, welche Marken in einem Stadtteil gerade angesagt (oder out) sind, werden entsprechende Pins gestärkt oder geschwächt. Durch kämpfen mit Pins und Kleidungsstücken einer Marke wird diese populärer gemacht.

Neben dem Kampf gibt es auch ein Minispiel namens Tin Pin Slammer, bei dem die Spieler gegenseitig versuchen, sich ihre Pins aus einem Spielfeld zu befördern. Tin Pin Slammer ist in Shibuya sehr verbreitet und kann auch per Multiplayer gegen andere Spieler gespielt werden.

TWEWY_Screenshot_2015-03-02-21-48-03Die spannende und gut durchdachte Handlung des Spiels wird durch viele exzellent geschriebene Dialoge erzählt und nach Abschluss des Spiels noch erweitert: Nachdem man das Spiel beendet hat, kann man jedes Kapitel direkt anwählen und durch spezielle Herausforderungen geheime Berichte freischalten, die die wahre Bedeutung hinter den Geschehnissen offenbaren. Außerdem wird ein Bonuskapitel freigeschaltet, das abseits der Hauptgeschichte spielt und diese auf amüsante Weise parodiert.
Übrigens: Die Spieltwelt basiert auf dem realen Tokyoer Stadtteil Shibuya; alle Gebäude und Straßen des Spiels existieren – unter anderem Namen – tatsächlich.

 

Grafik & Sound

TWEWY_Screenshot_2015-03-02-21-34-04An The World Ends With You fällt sofort der Grafikstil auf: Sämtliche Grafiken sind handgezeichnet und im Stil eines modernen urbanen Comics und Graffiti gehalten. Elemente der japanischen Popkultur sind omnipräsent und die Charaktere sind sehr individuell gestaltet. Die Handlung wird durch viele Cutscenes erzählt, die wie ein interaktiver Comic funktionieren und die individuellen Persönlichkeiten der vielen Charaktere ausarbeiten.
Untermalt wird das Spiel durch einen Soundtrack, der aus einer umfassenden Sammlung an TWEWY_Screenshot_2015-03-09-16-43-59Tracks besteht, die sich an japanischem Pop und Hip-Hop orientieren und speziell für das Spiel aufgenommen wurden – Nicht wenige davon sind Ohrwürmer, die man einige Tage mit sich herumtragen wird. Während der Soundtrack in der Nintendo DS-Version aus Platzgründen noch hörbar kompromiert und gekürzt war, gibt es in der iOS- und Android-Version alle Tracks in voller Länge und hoher Qualität.
Das Zusammenspiel von Grafik, Musik und Spielelmenten ergibt ein durchweg stylisches, einzigartiges Spiel.

 

Fazit

SOLO_REMIX_Artwork

Als ich vor einigen Jahren zufällig auf The World Ends With You für den Nintendo DS stieß, wurde es aufgrund seiner Einzigartigkeit schnell eines meiner Lieblingsspiele. Jetzt, als neben der iOS-Version auch eine Version für Android erschienen ist, habe ich besonders auf eine technisch verbesserte Version gefreut. Der ursprüngliche Charme ist intakt, die höher aufgelöste Grafik sieht noch besser aus und der hochwertigere Soundtrack bleibt dem Spieler auch nach dem spielen noch lange im Ohr. Außerdem habe ich selten eine so gut durchdachte und packende Handlung in einem Videospiel erlebt. Zwar mag es für manche abschreckend wirken, dass das Spiel hierzulande nur auf Englisch erschienen ist – Das aber trägt seinen Teil dazu bei, die Charaktere durch unterschiedliche Slangs und Redewendungen glaubwürdig darzustellen und voneinander abzuheben.

The World Ends With You ist ein großes, stylisches und chaotisches Paket vieler Einzigartigkeiten, die es irgendwie schaffen, zusammen ein großes Ganzes zu ergeben, das aus der Masse heraussticht und zum Besten gehört, das der Nintendo DS und Smartphones zu bieten haben.

* Hinweis: Aufgrund von Kompatibilitätsproblemen mit dem aktuellen iOS 8 ist The World Ends With You derzeit nicht im Apple App Store verfügbar.

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Flugplatz-Autor und -Karikaturist seit 2010, seit 2012 Mediengestalter-Azubi beim Schwäbischen Tagblatt. Ich schreibe am liebsten über Kunst, Wissenschaft und Videospiele und sorge dafür, dass auf der Homepage alles rund läuft.

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