Muslime in Tübingen 2: „Der Islam ist nicht so“ – Karima, 33, betont die Freiheit, die der Islam lässt

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karibwDie Debatte um die vermeintliche „Islamisierung des Abendlandes“ und die Entwicklung der „Pegida“-Protestler hat Karima Oufrichek hauptsächlich in den Medien mitverfolgt. Gerade die Pegida-Bewegung nimmt sie „schon tendenziell als rechts“ wahr. Das sei schade, sagt Karima – denn sie fühlt sich in Deutschland sehr wohl. „Ich kann mir ein Leben in Algerien nicht mehr vorstellen. Meine Kinder leben ja auch hier.“


In Deutschland habe sie, gerade als Frau, mehr Freiheiten. Grundsätzlich versteht Karima die Angst vor Terrorismus und distanziert sich entschieden von der Haltung islamistischer Attentäter: „Ich möchte nicht mit Terroristen in eine Schublade gesteckt werden“, so Karima. Als sie noch in Algerien lebte, kam es dort auch zu Anschlägen – und sie sorgte sich um Freunde und Bekannte in den betroffenen Gegenden. Die Reaktion von „Pegida“ wertet Karima jedoch als falsch: „Allein schon den Namen – ‚gegen die Islamisierung des Abendlandes‘ – kann ich nicht nachvollziehen“.
Vielleicht sei es die Angst vor dem Fremden, die Menschen dazu bringt, solche Thesen zu vertreten, meint Karima. Angst vor dem Fremden sei grundsätzlich normal, doch dürfe man ihm eben nicht aus dem Weg gehen. Als sie selbst vor elf Jahren als Au Pair nach Deutschland kam, hatte sie zunächst auch Angst: Angst, sie könne nicht zu ihrer Gastfamilie passen und mit der Kultur vielleicht nicht zurechtkommen. Es entwickelte sich jedoch eine enge Freundschaft: Sieben Jahre lebte Karima in der Familie.
Um miteinander vertraut zu werden, so Karima, sei es wichtig, sich gegenseitig zu öffnen. So habe sie in ihrer Gastfamilie alle in Deutschland traditionellen Feste mitgefeiert und ihre Freunde haben sich wiederum für ihre Kultur interessiert.
Ihren eigenen Alltag beeinflussen „Pegida“ und die Debatte um die vermeintliche Islamisierung des Abendlands wenig. „Vielleicht geht das Leuten, die etwa ein Kopftuch tragen, anders“, so Karima. Hinter „Pegida“ vermutet sie eine vorübergehende Welle, die Deutschland nicht dauerhaft beeinflusst – sie ist sich indes nicht sicher, ob sie derzeit allein in Städte wie Dresden reisen würde.
Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Islam in Medien und Gesellschaft findet Karima wichtig: „Der Islam ist nicht so, wie er oft dargestellt wird. Er bietet mehr Freiheiten als vielleicht bekannt ist“, so Karima. „In meiner Familie sind wir sechs Mädchen. Drei davon tragen ein Kopftuch – aber aus eigener Überzeugung.“
Karima selbst hat sich gegen ein Kopftuch entschieden. Um Vorurteilen entgegenzuwirken, sei es relevant, dass Menschen, die muslimischen Glaubens sind, nicht nur unter sich bleiben. „Es ist wichtig“, sagt Karima, „aus sich heraus zu gehen und den Leuten den richtigen Islam nahe zu bringen“.

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