Mit Dirt-Bikern in die Luft gehen

Von am

DirtbikeAdrenalin! Die meisten Menschen suchen den Adrenalinkick, indem sie sich von schroffen Felsen 100 Meter in die Tiefe stürzen – und ihr Leben buchstäblich an einem dünnen (Bungee-Jumping) Faden hängt. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich neuerdings auch Bade-Rutschen, in die man im freien Fall hineinkatapultiert wird. Doch auch Extremsport lässt Sportlern regelmäßig das Adrenalin ins Blut schießen. Von einem nüchternen Standpunkt aus betrachtet: Warum suchen Menschen überhaupt einen Adrenalinkick, ein Gefühl aus Angst, Stress und Euphorie?

In der FLUGPLATZ-Konferenz beschlossen wir, einmal selbst einen Adrenalinkick via Selbstversuch zu erleben. Bungee-Jumping und Freie Fall-Rutsche blieben außen vor – also wurde es der Extremsport: Ein Nachmittag im Dirtpark.

Guten Mutes machte ich mich zum Metzinger Dirtpark auf. Ein Dirtpark ist ein Parcours aus Erdhügeln, über die man mit dem Mountainbike fahren und springen kann. Aus dem Fernsehen kannte ich diese Sprünge und Fahrten, welche immer recht einfach aussehen.

Dort angekommen wurde ich in meinem guten Gefühl bestätigt: Die Hügel sind höchstens zwei bis drei Meter hoch – das sollte zu schaffen sein. Die zwei Jungs, die mit mir durch den Park fahren sollten, düsten schon mit ihren Mountainbikes durch die Gegend.

Malik Hase drückte mir ein Bike in die Hand: „Auf keinen Fall bremsen, fahr einfach hinter mir her.“ Ehe ich mich versah, ging’s auch schon los. Malik raste vor mir die sandige, erdige Piste hinunter und auch ich trat in die Pedale. Beim Hinunterfahren des ersten Hügels nimmt man so viel Geschwindigkeit auf, dass sich der nächste Hügel problemlos ohne zusätzliches Treten erklimmen lässt. Besser gesagt: Ich wurde ich so schnell, dass ich wider Willen vom nächsten Hügel aus in die Luft katapultiert wurde.

In diesem kurzen Moment, in dem ich mitsamt Fahrrad in der Luft folg – ja, so muss sich wohl der Adrenalinkick anfühlen: Angst, Konzentration und ein Gefühl, alles besiegen zu können, krochen mir durch die Adern.

Malik, der in diesem Moment schon lange am Ende der Strecke angekommen war, berichtete hinterher, dass sein Puls bei solchen Sprüngen schon lange nicht mehr in die Höhe schießt. „Höchstens bei sieben Meter hohen Rampen, von denen wir springen“, erzählte er grinsend. Im Salto rückwärts, wohlgemerkt.

Ich hingegen war froh, nach meinem kleinen Sprung wieder sicheren Boden unter den Rädern zu spüren. Da es aber schon wieder in rasender Geschwindigkeit auf den nächsten Hügel zuging und ich wieder einen katapultartigen Absprung befürchtete, beging ich den Fehler und bremste. Sofort wurde ich bestraft: Obwohl das Mountainbike ein besonders breites Reifenprofil besitzt, kommt man durch das Bremsen und auf steinigen Untergrund sofort ins Wanken. Irgendwie konnte ich mich dann aber doch ins Ziel balancieren. Was einfach aussieht, ist eben doch eine Kunst für sich, die gelernt sein will. Sowieso lautet das Motto: „Dirtbiken ist trial and error – mit möglichst wenig error.“

Denn ganz ungefährlich ist Dirtbiken nicht: So manches Mal fuhr in Metzingen schon der Krankenwagen vor. Auch Malik erlitt schon einmal ein Schlüsselbeinbruch. Deswegen ist blutigen Anfängern wie mir, auch nur der einfache Parkour erlaubt.

Malik Haase fährt schon seit fünf Jahren und nimmt mittlerweile erfolgreich an Profirennen teil. Sprünge, bei denen man freihändig oder freifüßig ist, 180 Grad-Drehungen und Saltos mit dem Rad werden meist auf einer Rampe mit Schaumstoffbecken einstudiert. Wenn man den 17-jährigen Fast-Profis zusieht, erkennt man: Dirtbiken ist ein spektakulärer, anspruchsvoller und die Risikobereitschaft fordernder Sport, der einem schon beim Zusehen einen Adrenalinstoß versetzt. Eine weitere Fahrt habe ich dankend abgelehnt.

The following two tabs change content below.

Angela Wistuba

Neueste Artikel von Angela Wistuba (alle ansehen)