Mehr als 140 Zeichen…

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ziefle2Auf der einen Seite ist sie die Schriftstellerin, die nostalgisch in Büchern blättert. Auf der anderen Seite betreibt sie ein Internet-Blog und ist daueronline bei Twitter: Die Mössingerin Pia Ziefle über den Spagat zwischen Print und Online.

 

 

 

Angefangen hat alles mit Twitter – und der berühmt-berüchtigten Begrenzung des Kurznachrichtendienstes auf 140 Zeichen. „Manche Themen“, sagt die Schriftstellerin und Bloggerin Pia Ziefle, „sind aber einfach zu interessant, um sie auf 140 Zeichen runterzubrechen.“

Das war der Grund, weshalb Pia Ziefle irgendwann auf ein eigenes Blog auswich. „Ich hatte früher keine Ahnung vom Blog schreiben“, sagt sie: „Ich bin sozusagen wie die Jungfrau zum Kinde gekommen.“ Je länger sie für das Blog schreibe, desto höher würden ihre Ansprüche an den Text: „Habe ich für einen früher einen Tag gebraucht, so feile ich heute drei Tage daran.“

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Pia Ziefle rezensiert Bücher per Selfie auf ihrem Tumblr-Blog „http://frauziefleschautsichbuecheran.tumblr.com“

Seit nunmehr fünf Jahren betreibt die Autorin ihr Blog. Anfangs schrieb Pia Ziefle, Mutter von zwei Kindern, auch über alltägliche Phänomene. Doch die sogenannten „Mama-und Papa-Blogs“ waren bereits eine besetzte Nische: „Ich muss nicht den fünfzigsten Beitrag zum perfekten Schulranzen posten“, sagt sie: „So etwas mache ich höchstens noch auf Twitter.“

ziefle3Heute beschäftigt sich Ziefles Blog mit Themen wie dem Büchermarkt, dem Urheberrecht und tagesaktuellen Dingen wie dem NSA-Überwachungsskandal. „Es geht beim Bloggen nicht um einzelne Artikel, sondern um die Kontinuität“, sagt die Schriftstellerin. „Ich bekomme mittlerweile Anfragen, etwas zu schreiben – oder die, sogenannte Cross-Postings durchzuführen.“

Für viele Autoren ist es durchaus erstrebenswert, Artikel in einer Zeitung oder einer Zeitschrift zu veröffentlichen. Pia Ziefle steht dem relativ pragmatisch gegenüber: „Natürlich fände ich es toll, wenn ich einen Artikel im FAZ-Feuilleton veröffentlichen könnte“, sagt sie, „andererseits läge die gedruckte Zeitungsausgabe schon am nächsten Tag bei den Lesern wieder im Papierkorb – ein Blog-Eintrag ist noch Jahre später erhalten und lesbar.“

Auch der journalistische und schriftstellerische Anspruch sei beim Bloggen ein anderer: „Die Blog-Texte haben nicht die Vollendetheit, die sie für eine Zeitung oder Zeitschrift bräuchten“, sagt Ziefle: „Aber sie sind immer gut recherchiert und belegt.“ Kernpunkt des Bloggens bestehe im Verfassen nicht nur von Informationen, sondern von Meinungen, Linkverweisungen und Kommentaren. Blogs haben mittlerweile eine eigene Debatten- und Kommentierkultur. Kurz gesagt: Ein Blog lebt von seinen Kommentaren.

Das macht sich Pia Ziefle als Buchautorin zu Nutze. Die digitale Welt ist zu einer Plattform geworden, um Bücher zu vermarkten. Sie bietet aber auch ein Forum für Diskussionen und Rezensionen.

 

ziefle4Am deutlichsten werde der Unterschied zwischen dem Feedback bei Lesungen und den Onlinebewertungen im Unterschied der Leser-Typen, berichtet Pia Ziefle: „Zu meinen Lesungen kommen überwiegend Frauen ab 40 Jahren“, sagt sie: „Meistens ist nur ein Mann dabei – und das ist dann entweder der Feuilletonjournalist oder der Chauffeur einer Dame.“ Im Netz dagegen seien es überwiegend Männer, die sich an Pia Ziefles Online-Rezensionsdebatte beteiligen.

Bei einem „realen“ Lesekreis mag die Diskussion tiefer gehen – doch im Internet findet durch die asynchrone Kommunikation eine Debatte in größerer Bandbreite statt, findet sie. Die bleibt zudem erhalten: Auch ein Jahr später können Leute, die auf das Buch gestoßen sind, online die Rezension lesen.

Übrigens: Obwohl Pia Ziefle eine Freundin der Digitalisierung ist – privat hält sie es mit dem guten, alten, gebundenen Buch: „Ich habe es wirklich mit E-Books versucht“, sagt sie. „Aber man muss ständig darauf achten, dass der Akku geladen ist. Oder die Seiten vollständig runtergeladen sind.“

Pia Ziefles Website: www.piaziefle.de

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Angela Wistuba

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