Lebenskunst: mit dem Herzen sehen

Von am

Peter Heilemann. Bild: Sommer

Peter Heilemann ist Diakon an der Eberhardskirche in Tübingen und einer der Hauptorganisatoren der Vesperkirche. Schon in seiner Jugend engagierte sich Heilemann lange Zeit ehrenamtlich in evangelischen Jugendgruppen. Diese Ideale behielt Heilemann immer im Kopf.

In seiner Jugend erkannte er, dass er gerne einen Beruf in dieser Richtung ergreifen würde. Doch ihm wurde geraten, zuvor einen „soliden Beruf“ zu erlernen: Heilemann machte eine kaufmännische Ausbildung und lernte dann an einer kirchlichen Hochschule. So wurde er Diakon und verfolgt noch heute seine Ideale.

Mit der Vesperkirche, die jedes Jahr für vier Wochen im Winter geöffnet hat, holen Heilemann und die vielen anderen Helfer unterschiedlichste Menschen an einen Tisch. Nicht nur bedürftige Menschen besuchen die Vesperkirche, berichtet Heilemann, sondern auch Menschen, die einsam sind. So treffen sich Menschen aus ganz verschiedenen Schichten –
und es kann sein, dass ein Professor neben einem Obdachlosen oder Harz IV -Empfänger sitzt.

Nicht selten beobachtet Heilemann, wie solch ungleiche Personen miteinander ins Gespräch kommen und sich verstehen lernen. Sie beginnen, durch ihren Austausch zu begreifen, wie der jeweils andere sich fühlt. An dieser Stelle zitiert Heilemann den „kleinen Prinzen“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Wenn man wirklich fühlt, was der andere fühlt, ist das schon ein großer Schritt zur Besserung. Heilemann macht mit der Vesperkirche weit mehr positive Erfahrungen als schlechte. Er sagt: „Wir zusammen machen uns glücklich.“ Es sind viele kleine Glücksmomente, wie das Lächeln einer Person, wenn man ihr einfach nur einen guten Appetit wünscht – und diese antwortet, das habe schon lange niemand mehr zu ihr gesagt.

Die Vesperkirche wird von etwa 400 Personen besucht. Sie alle finden Platz und erhalten ein warmes Essen. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer/Innen könnte es die Vesperkirche aber nicht geben: Heilemann erzählt, dass einige Rentner sind, doch manche arbeiten auch Teilzeit oder sogar Vollzeit und helfen in ihrer Freizeit. Heilemann erklärt, dass man selber sich gut fühle und zufrieden ist, wenn man auf diese Weise hilft, wo man kann und dazu beiträgt, dass sich im Kleinen etwas verändere. Jeder sollte versuchen, etwas Gutes in seinem Umfeld zu tun. Denn nur so verändert sich die Welt zum Besseren.

The following two tabs change content below.

Sophia Juraschitz

Neueste Artikel von Sophia Juraschitz (alle ansehen)