Lebenskunst: gut essen

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Gabriele Busse

„Milch ist für Kälbchen gedacht, nicht für uns Menschen!“: Nach diesem Leitsatz lebt die Kabarettistin Gabriele Busse. Die 38-Jährige ist überzeugte Veganerin – und baut das Thema auf selbstironische Weise in ihr Programm ein.


Mit zwölf Jahren hatte Busse eine Dokumentation über den Weg der Tiere zur Schlachtung gesehen. In diesem Moment hatte sie beschlossen: „Ich will nicht für all das Leid der Tiere verantwortlich sein.“ Das Fleisch fehlte ihr selbst kein bisschen – ihre Eltern betrachteten diese Veränderung jedoch mit Skepsis. Sie war in einem kleinen bayerischen Dorf aufgewachsen, wo es einem Skandal glich, kein Fleisch zu essen.

Veganerin wurde sie erst vor ungefähr zehn Jahren. Zu dieser Zeit jobbte sie an einem Bio-Bauernhof in der Schweiz. Doch obwohl der Hof das Bio-Siegel trug, bekam sie mit, wie männliche Kälbchen von ihrer Mutter getrennt und zum Schlachter gebracht wurden. „Die männlichen Kälbchen sind einfach Müll“, sagt sie. Kühe haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von fünfzehn bis zwanzig Jahren – Milchkühe aber werden meist nur vier bis fünf Jahre alt: Weil sie dann zu wenig Milch geben, werden sie geschlachtet.

Der vegane Umstieg fiel Busse nicht ganz leicht – auch deshalb, weil dieser Lebensstil damals noch nicht Trend war und es nicht so viele Produkte gab. Vegane Lebensmittel waren nicht speziell gekennzeichnet. „Ich verbrachte viel Zeit damit, Inhaltsstoffe zu studieren“, sagt sie. Häufig wird Busse gefragt, ob ihre Lebensweise nicht sehr kostspielig sei. „Im Gegenteil“, meint sie: „Früher habe ich jeden Tag fünf Euro für Cappuccino und Croissants ausgegeben. Heute nicht mehr.“

Gabriele Busse hatte vor ihrem Kabarett über Veganismus bereits ein anderes Programm. Sie wusste nämlich: „Ich hätte damals noch als verrückte Tierschutztante gegolten, wenn ich nur darüber geredet hätte.“ Einmal aber trug sie bei einem Poetry Slam einen Text über Tierversuche vor – und das Publikum war totenstill. Obwohl sie damit keine Sympathien gewann, wusste sie, dass die Menschen sich an ihren Text erinnern und darüber nachdenken würden.

In ihrem nächsten Text ließ sie sich auf selbstironische Weise über sämtliche Klischees über Veganer aus – und brachte das Publikum zum Lachen. Hinter dem Witz stand aber ihre Botschaft an das Publikum. Busse erhält heute oft Briefe von Zuschauern, die ihr mitteilen, dass sie seit ihrem Programm vegan lebten. Das zeige ihr, dass sie wirklich etwas bewirkt.

Busse hat weitere Themen in ihrem Programm: beispielsweise Flüchtlinge. Wie die derzeit behandelt werden, kann sie nicht glauben: „Menschen gehen nicht nur mit anderen Lebewesen scheiße um, sondern auch miteinander“, empört sie sich. Im Moment hilft sie beim Deutschlernen einem jungen Mann aus Syrien, der gewaltige Fortschritte macht: „Bald wird er besser sprechen als ich.“ Sie versucht aus demselben Grund, anderen Menschen zu helfen, aus welchem sie auch vegan lebt: „Wir können ethisch richtig handeln und sollten es deshalb auch tun.“ Daher kauft sie auch fast nur noch regional ein: Sie will damit auch Ungerechtigkeiten der Wertschöpfungskette, etwa von Orangensaft, nicht unterstützen. Bei der Produktion verdienen Arbeiter in Herkunftsländern oft so wenig, dass es kaum zum Leben reicht. Ihre Haltung heißt: so viel Leid wie möglich verhindern.

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Sophia Juraschitz

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