Lebenskunst: achtsam sein

Von am

Jochen Liebig

Jeder sucht das Glück. Doch wie kommt man am besten auf seine Spur? Mit Hilfe der asiatischen Lehre vom Shinson Hapkido, so meint Kampfkunst-Meister Jochen Liebig aus Tübingen, kann man ihm auf jeden Fall ein Stück näher kommen. – von Leonie Kommerell

Wann immer es um ein gutes Leben geht, stößt man unweigerlich auf die Frage: Was bedeutet Glück? Was macht ein glückliches Leben aus? Gibt es Techniken, durch die sich ein glückliches Leben leichter erreichen lassen? „Ein glückliches Leben bedeutet erst einmal, die Balance zwischen Körper und Geist zu finden und zu halten“, sagt Jochen Liebig. Er ist Träger des vierten Dan: ein Meister des Shinson Hapkido.

Die Kunst wurde vor 30 Jahre von dem koreanischen Hapkido-Großmeister Sonsanim Ko Myong in Mitteleuropa entwickelt: ein Bewegungstraining mit dem Ziel, mit sich selbst, anderen und der Natur, die uns umgibt, in Einklang zu kommen. Gerade für Menschen, die im Dauerstress stehen, wird körperlicher Ausgleich immer wichtiger. Umso mehr, als Shinson Hapkido sich als Bewegungskunst versteht, die Körper und Geist gleichermaßen entwickelt. „Der Körper stößt durch die Bewegung ja nicht nur Endorphine, also Glückshormone aus, die für einen kurzfristigen Glückszustand sorgen“, sagt Jochen Liebig: „Durch das Abschalten vom Alltag hat man Zeit, zu sich zurück zu kommen.“

Liebig spricht aus Erfahrung: Er war einer der ersten Schüler von Sonsanim Ko Myong. „Da hat es mir während meines Studiums echt gut getan, mich mit etwas anderem zu beschäftigen.“ Heute ist Liebig Leiter der Shinson-Hapkido-Schule in Tübingen. Er betrachtet die Suche nach dem Glück allerdings nicht als Einbahnstraße: „Das Glück hat immer zwei Seiten“, meint er: „Alles was dich glücklich macht, kann dich auch unglücklich machen.“ Für Liebig gilt: Auch Mangelerfahrungen sind Teil des Glücks. Erst durch sie merken wir, wie groß die Freude sein kann, wenn ein Bedürfnis gestillt ist.

Doch für wen ist das Ziel Glück im Hapkido erreichbar? „Das ist eben das Tolle am Shinson Hapkido: Hier kann jeder mitmachen“, sagt Liebig: „Es geht nicht nur darum sich zu bewegen, vielmehr ist das Ziel sich ‚mit seinem Herzen zu bewegen‘.“ Das bedeutet, dass nicht nur der Körper trainiert wird: Auf der Basis von Vertrauen, Achtung, Geduld, Demut und Liebe wird das Miteinander mit dem Nächsten achtungsvoll eingeübt. „Das Glück kommt dann von ganz alleine dazu“, sagt Liebig und lächelt: „Es kommt spätestens dann, wenn Sie fühlen, dass Sie auf diese Weise innerlich und äußerlich frei werden!“

The following two tabs change content below.
Der FLUGPLATZ ist die junge Redaktion des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS Tübingen. Hast Du Wünsche, Anregungen oder Kritik? Möchtest Du selbst für den FLUGPLATZ schreiben? Nimm Kontakt auf zu uns - über den Link "Kontakt" (ganz unten auf der Seite).

Neueste Artikel von Redaktion Flugplatz (alle ansehen)