Jobben an der Uni

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Kellnern, Nachhilfe geben, am Fließband einer großen Firma jobben: Viele Studenten der Uni Tübingen haben einen Nebenjob – weil sie auf das Geld angewiesen sind oder weil sie sich ein zusätzliches Taschengeld verdienen wollen. Manche arbeiten wie Christina und Nadine auch direkt an der Uni. Als Hiwis – Hilfswissenschaftler. An der Tübinger Uni, so berichtet Antje Karbe von der Pressestelle, sind 984 studentische Hilfskräfte (ohne Bachelor-Abschluss) und 791 wissenschaftliche Hilfskräfte (mindestens mit Bachelor-Abschluss) beschäftigt.

Die Jobs finden Student(inn)en an ihren Fakultäten und an Forschungszentren. Der Lohn liegt – je nach Qualifikation – bei 9,16 Euro bis 14,49 Euro die Stunde, mit Bachelor-Abschluss sind es 10,68 Euro. Die Arbeitszeiten sind oftmals flexibel. FLUGPLATZ hat bei Tübinger Hiwis nachgefragt, was sie in ihrem Job so zu tun haben. Und wir haben Studenten gefragt, die keinen klassischen Hiwi-Job haben, aber dennoch an der Uni Geld verdienen – als Proband bei Forschungsprojekten oder als Model am Zeicheninstitut.

 

Christina ist Studentin der Kognitionswissenschaften und arbeitet als Hilfswissenschaftlerin beim Zentrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN). Dort führt sie Versuche mit Laborratten durch. Wegen der aktuellen Debatte um Tierversuche möchte sie nicht mit richtigem Namen in der Zeitung erscheinen, war aber zu einem Interview bereit:

„Am Anfang meines Arbeitstages bereite ich den Versuchssetup und den Computer vor. Zudem spiele ich vor dem Versuch mit den Ratten, um ihre Motivation zu steigern, da die Tiere sich ansonsten in einer neuen Umgebung unwohl fühlen und der Versuch abgebrochen werden muss. Danach werden die Versuche selbst durchgeführt, bei welchen man die Verhaltensweise von Ratten bei verschiedenen Licht- und Geräuschumgebungen testet. Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit ist auch die Auswertung der gesammelten Daten am Rechner.

An einem Tag arbeite ich etwa zwei Stunden, so dass ich auf zehn Stunden die Woche komme. Die Arbeitszeit kann ich mir flexibel einteilen, mein Studium wird also nicht eingeschränkt. Oftmals arbeitet man in einem Team, was auch für Flexibilität beziehungsweise Vielfalt innerhalb des Jobs sorgt.

Für den Job sollte man auf jeden Fall Teamfähigkeit und Lust zu forschen mitbringen. Ein Studium in dem Bereich bietet sich natürlich auch an. Aufmerksam geworden bin ich auf den Job durch eine Anzeige beim Graduate Center des Uni Tübingen. Ich habe mich einfach mal auf die Stelle beworben, Zeugnis und Lebenslauf benötigte man nicht, allerdings ein Motivationsschreiben. Dann wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, und im Anschluss hatte ich schon den Job.

Natürlich braucht man persönliche Überzeugung, um mit den Tieren zu arbeiten. Besonders in Tübingen, wo das Thema „Tierversuche“ zurzeit kritisch ist. Leider gibt es deshalb auch viele Vorurteile, meiner Erfahrung nach geht es den Tieren im Labor besser als im Zoo.

Mir macht der Job viel Spaß, besonders für mein Studium ist es eine große Bereicherung. Ich habe das Gefühl, hier mehr gelernt zu haben als in den letzten drei Jahren Studium. Meine Bachelorarbeit habe ich ebenfalls bei meinem Arbeitgeber geschrieben.“

Protokoll: Vitaly Chaiko, 21

 

Dennis ist Psychologie-Student und macht oft als Proband an Studien und Experimenten mit:

„Zuerst suche ich mir eine Studie aus. An die Angebote kommt man leicht, meistens wird das Postfach meiner E-Mail damit bombardiert, oder es gibt Aushänge in den Mensen. Wenn ich eine Studie gefunden habe, die mich anspricht, schreibe ich den Zuständigen einfach an. Dann wird man zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Teilnahme eingeladen. Es gibt Experimente in diversen Bereichen, man muss natürlich nicht klischeehaft neue Medikamente schlucken. Zum Beispiel wird einem eine Elektrodenmütze aufgesetzt, die Gehirnströme misst (total ungefährlich), und man muss damit verschiedene Rechenaufgaben lösen.

Für eine Studie kriegt man meistens eine Entschädigung in Höhe von 10 bis 40 Euro, abhängig von der Art der Studien. Die Studien dauern auch nicht lange, ich selbst nehme nur an solchen teil, die maximal eine Stunde beanspruchen.

Jede Probandenstudie hat ihre eigenen Voraussetzungen. Beispielsweise sucht man Leute, die Nichtraucher, Rechtshänder, schwanger sind. Selten werden Leute gesucht, die spezielle Krankheiten haben oder in bestimmten Arbeitsbereichen tätig sind.

Die Teilnahme an den Studien ist mir immer wieder eine willkommene Abwechslung, da man dadurch weiten Einblick in die Forschung bekommt. Ein wenig Taschengeld schadet natürlich auch nicht.“

Protokoll: Vitaly Chaiko, 21

 

MarcelMarcel ist Germanistik-Student und modelte beim Zeicheninstitut der Uni Tübingen:

„Als Model beim Zeicheninstitut hat man nur eine Aufgabe, und zwar Stillsitzen. Meistens in einer bestimmten Pose, so dass alle Zeichner ein Porträt anfertigen können. Dabei sitzen alle in einem Halbkreis um einen herum, am Ende kommen somit verschiedene Perspektiven zusammen. Nach einer Stunde ist es auch schon vorbei, und man kann die fertigen Werke begutachten. Viele sehen echt professionell aus, so als ob ich mich selbst im Spiegel betrachten würde. Nach Absprache mit den Zeichnern kann man ein Werk, das einem gefällt, mitnehmen. Nach der Stunde gab’s für mich ein Honorar von 25 Euro.

Ich bin auf das Angebot durch eine Freundin aufmerksam geworden, die bei dem Porträtzeichenkurs mitgemacht hat. Sie hat mich dem Leiter vorgestellt, und schon durfte ich modeln. Außerdem spricht der Kursleiter oft im Alltag Leute an, die für das Zeicheninstitut interessant sein könnten. Wenn man also denkt, man hätte das Zeug zum Porträtmodel, dann kann man sich dort einfach melden.

Mir hat es unglaublich gefallen, am Ende der Stunde die fertigen Werke zu betrachten. Da sieht man sich schon durch andere Augen, beziehungsweise viele Leute ergänzen das Porträt durch eigene Vorstellungen, sodass man neonfarbig oder mit einem prächtigen Hut dargestellt wird.

Protokoll: Vitaly Chaiko, 21

 

NadineNadine, 23, ist Kunsthistorikstudentin im 7. Semester und Hiwi an ihrem Institut:

„Als Hiwi arbeite ich für ein Lehrprojekt. Ich muss Bildmaterial und Beispielbeschreibungen für den Einführungskurs in Architektur sammeln und schreiben. Dieses Material kommt dann in die Datenbank des Instituts, damit die Profs sich damit nicht rumschlagen müssen und damit man es nicht jedes Mal neu machen muss. Der Hiwi-Job wird vom Staat bezahlt. Das bedeutet, dass die Professoren sich den Lohn aus unterschiedlichen Förderfonds holen. Ich bin auch vom Staat versichert. Allgemein gelten für mich die gleichen Regeln wie für 450 Euro-Jobber.

Ich soll 20 Stunden im Monat arbeiten, und das für ein ganzes Semester. Da keiner kontrolliert, ob ich die Stunden auch alle gemacht habe, schreibe ich sie mir selber auf. Im Endeffekt will der Prof nur ein vorzeigbares Ergebnis sehen, denn er muss einen Bericht darüber schreiben, für was ich und was ich gearbeitet habe.

Wie ich auf den Job kam? Er war allgemein ausgeschrieben, aber mein Prof fragte mich direkt, ob ich nicht Lust hätte, so etwas zu machen. Da mein Studium selber sehr zeitaufwändig war, habe ich die Aufgaben allerdings ein bisschen vor mich hergeschoben, deshalb war es dann doch mehr als gedacht. Aber allgemein war der Job sehr angenehm, da man allein und selbstständig in gewohnter Atmosphäre arbeiten konnte. Die Arbeit hatte ja schon viel mit dem Studium zu tun und somit einen gewissen Lerneffekt. Doch es ist Geschmackssache, ob der Nebenjob dem Studium so ähnlich sein soll.

Als Fazit kann ich sagen, dass es keine schlechte Bezahlung für den betriebenen Aufwand ist (man bekommt etwa 9 Euro und ein paar Zerquetschte die Stunde). Man wird also nicht reich davon, ist aber auch kein armer Student mehr.“

Protokoll: Manuela Kaczmarek, 19

 

 

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