„Ich bin verloren bis ich dich finde, meine Rosalinde!“

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Premiere Sommertheater des LTTS 2016: "Wie es euch gefällt" auf der Neckarinsel.. Bild: Erich Sommer 08.07.2016

„Wie es euch gefällt“ auf der Neckarinsel. Bild: Sommer

„Ich bin verloren bis ich dich finde, meine Rosalinde“: Diesen Satz hörte man über Wochen beim Tübinger Sommertheater auf der Neckarinsel. Dort draußen inmitten dem Neckar, ließen sich eie Zuschauer unter Freien Himmel von der Kunst des Theaters bezaubern lassen.

Aufgeführt wurde das Stück „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare, das ins Deutschen von Frank-Patrick Steckel  übersetzt ist. Der Aufbau: Zwei kleine Tribünen im hinteren Teil der Neckarinsel grenzen den Schauplatz ab, auf dem kleine Holzpfade, ein an der Seite geöffneter und mit bunten Lichtern verzierter Bauwagen und nicht viel mehr zu sehen ist. Trotzdem ist das Kulissenbild vollständig, da es hier um Verbannte und Vertriebene des Hofes geht, die nun alle im Wald leben und überleben müssen. Deshalb ist die  Atmosphäre allein schon einzigartig, die von  den Bäumen der Neckarinsel noch bereichert wird, da diese innerhalb des Stücks den Ardenner Wald darstellen.

Zu Anfang wird Orlando, zweiter Sohn von Rowland de Boys,  angesichts des Hasses von Herzog Frederick  gegenüber Orlandos Vater von diesem verbannt. Da dies am Hofe geschieht, mischt sich Rosalind ein, die die Nichte von Frederick ist und somit Tochter des rechtmäßigen Herrschers Ferdinand, der schon vorher in den Wald verbannt wurde. Sie schreitet für Orlando ein, von dem sie sehr angetan ist. Doch wird dann auch sie verbannt. Mit ihr kommt freiwillig Celia, Herzog Fredericks Tochter und der Narr.  Oliver, der ältere und gemeine Bruder von Orlando, wird ebenfalls in den Wald verbannt. Im Ardenner Wald machen sich Rosalind, Celia und der in die Jahre gekommene Narr, der seine Sätze am liebsten mit einem schönen „Taramtataa“ abschließt, auf den Weg ihre wahre Liebe zu finden. Schon bald treffen sie auf den  Schäfer, der wegen seiner Liebe für die Schäferin alles für sie tut – und auf Waldmenschen, welche als Philosophen und Melancholiker dort  ihre Zeit verbringen.

Begleitet werden die Ereignisse und Dialoge mit viel musikalischen Engagement in Form von modernen Gesang, Gitarren-, Posaunen- und/oder Klavierbegleitung. „I am in Love“ hört man mit dem  verbannten Ferdinand an der Posaune, der die Freiheit schätzen gelernt hat.  Der Narr kann sich sogar ausgesprochen gut durch seine Querflöte ausdrücken. Als es zu einem

Premiere Sommertheater des LTTS 2016: "Wie es euch gefällt" auf der Neckarinsel.. Bild: Erich Sommer 08.07.2016

„Wie es euch gefällt“ auf der Neckarinsel. Bild: Sommer

Liebeslied von Orlando kommt, das für Rosalind gedacht ist, jammert der Narr nur genervt: „Maaahn – Neh, Neh.“  Diese kleinen Einsätze vom doch eigentlich weniger witzigem  Narr haben großes Gelächter im Publikum ausgelöst. Genauso als es zu einem Szenensprung kommt und der Narr nun als Baum nicht gesehen werden soll, während er sich ein Dialog der Liebenden anhören muss: „Gott sind die doof“, sagt er in der Szene zum Publikum gewandt und als die Konversation nicht zu Ende geht, setzt dieser sich plomp hin: „Ich bin jetzt ein Busch.“ Nicht nur der Narr, sondern das ganze Stück ist sehr komisch und lustig gestellt. Orlando wie er sich lauthals viele, viele Reime und Liebeserklärungen für Rosalinde überlegt, darunter: „Ich bin verloren bis ich dich finde, meine Rosalinde.“  Rosalinde selbst als Junge verkleidet, gibt Orlando Ratschläge der feinsten Art. Solche die das Publikum genauso ansprechen: „Frauen reden viel während sie denken.“ Ihre Ausstrahlung ist die der aufgeklärten Frau, welche den Ton angibt. Raphael selbst, der den verbannten und lebensfrohen Herzog Ferdinand spielt, findet es eine besondere Kulisse draußen: das wenige Equipment wirkt. Doch kann, laut ihm, die echte Geräuschkulisse manchmal irritieren.

Jule (17) ist Schülerin und kam durch ihre Eltern auf das Sommertheater: „Es ist echt lustig gemacht!“, sagt sie: „Die Kostüme irritieren mich etwas, da sie doch sehr ins Moderne gehen. Das habe ich mir anders vorgestellt – aber grade das macht es anders auf eine wirklich gute und eindrucksvolle Weise. Witzig ist auch, dass der Pfarrer Schnaps aus dem Kreuz getrunken hat.“  Johanna, die sich als Mitgestalterin der Kostüme heute zum ersten Mal Shakespeares Theaterstück auf der Neckarinsel angeschaut hat, erläuterte: „Klar müssen die Kostüme nicht aus der Zeit der Handlung stammen: Schließlich ist William Shakespeare mit dieser Problematik weit in der Zeit voraus gewesen. Das Thema Emanzipation von Frauen und Männern in dem Gesellschaftsspiel  ist auch heute noch präsent.“

 

 

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Stella Reinartz

Geboren bin ich 1998 in Köln, heute wohne ich in Haigerloch und gehe auf die St. Klara Schule in Rottenburg. Ich habe Spaß am Schreiben, daher bin ich nach meinem Praktikum beim "Schwäbischen Tagblatt", beim Flugplatz gelandet. 🙂