Hochschulstart oder Hochschulstopp?

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Abiturbestenquote, Wartezeit, Auswahlverfahren der Hochschulen – ja, so viele Möglichkeiten gibt es, an einen Studienplatz für Medizin, Tiermedizin oder Zahnmedizin zu kommen oder auch abgewiesen zu werden. Die Intelligenz der Bewerber wird bereits mit dem komplizierten Bewerbungsverfahren auf die Probe gestellt. Scheint so, als sei ich durchgefallen.

„Hochschulstart“, das ist die neukreierte Vergabestelle für die medizinischen Studiengänge. Hochschulstart, das vielmehr den Namen „Hochschulstopp“ verdient hätte, so viele Steine werden nach medizinischen Standards unterdurchschnittlichen Bewerbern – wir sprechen hier von einem Schnitt von 1,4 – in den Weg gelegt. Es geht schon damit los, dass beim Auswahlverfahren der Hochschulen eine Prioritätenliste angelegt werden muss. Also: 1. Ortspräferenz, 2. Ortspräferenz, 3. Ortspräferenz, 4. Ortspräferenz, 5. Ortspräferenz – keine Angst, lange geht diese Liste nicht mehr – 6. und letzte Ortspräferenz. Auf mehr als sechs Unis kann man sich nämlich nicht bewerben. Nächste Hürde: Viele Universitäten wollen aus unerfindlicher Eitelkeit nur die 1. Ortspräferenz sein. So auch Tübingen. Außerdem hat die Reihenfolge der Unis auch Einfluss auf das Verfahren. So kann es passieren, dass ein anderer Bewerber trotz schlechterer Durchschnittsnote den Studienplatz bekommt, weil er die Uni einer höheren Ortspräferenz zugeordnet hat.

Bei der Bewerbung ist also zu berücksichtigen, welche Uni welchen NC hat. Leider kann dieser auch Jahr für Jahr variieren. Er hängt ja davon ab, wie viele Bewerber es gibt. Dieses Bewerbungsverfahren ist bereits ein Grund, vielleicht doch etwas anderes zu studieren, und ein großes Lottospiel. Dieses Mal habe ich nicht gewonnen. Vielleicht ziehe ich bei der nächsten Bewerbung das große Los…

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Ruth Juraschitz

Langsam zähle ich beim Flugplatz doch zu den alten Hasen. Schließlich bin ich seit 2010 dabei. Ich bin 21 Jahre alt, habe 2012 Abitur gemacht und ich liebe es zu schreiben. Deswegen bin ich ja auch beim Flugplatz gelandet.

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  • Antonie Löffler

    Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, dass ich mich durch diese Wüste der Willkürlichkeit nicht durchdürsten muss. Ich glaube, ich würde unterwegs den Bettel hinschmeißen und an ein paar Unis Farbbeutel werden, nur damit ich meinen Frust abreagiert hätte. Und dann würde ich warten, bis ich wegen Sachbeschädigung oder sonst einem Delikt ( Die Benamsung und entspr. Strafe wäre wahrscheinlich auch willkürlich) zu einer anständigen Strafe verürteilt werden würde. Vielleicht würde man mich ja bei irgendeiner Vergabestelle die Trommel rühren und die Lose ziehen lassen … Und vielleicht zöge ich ja zufällig mein Los … und wäre dann restlos glücklich über mein Glück …

  • Max

    Das Verfahren ist meiner Meinung nach keineswegs ein „Glücksspiel“. Einzig eventuell übriggebliebene Plätze, dies sind in der Regel extrem wenige und oft auch keine, werden Verlost – dafür ist allerdings keine NC notwendig.

    Die Regeln sind klar definiert, wenn auch relativ komplex, hier findet wiederum eine Selektion statt. Nur wer es schafft sich damit auseinander zu setzen und alles korrekt abzuschicken, wird berücksichtigt.

    Zusätzlich hat jeder hat die Chancen seinen Schnitt durch diverse Möglichkeiten zu senken. Hier gibt es entsprechende Freiwilligendienste im Krankenhaus, den TMS, eine entsprechende Ausbildung etc. So gibt es auch viele Leute die mit wesentlich schlechteren Schnitten zeitnah nach dem Abitur einen Platz bekommen.

    Es gibt eine Notwendigkeit für ein Auswahlverfahren, da so viele junge Leute entsprechende Studiengänge belegen wollen und die Plätze verständlicher Weise begrenzt sind.

    Ich kann die Frustration verstehen, wenn man nicht den gewünscht Platz an seiner Wunschuni bekommt, allerdings wäre eine sachlichere Schilderung hilfreicher für junge Flugplatzleser, die vielleicht auch den Traum vom Medizinstudium haben.

  • Rafael

    Selbst wenn man einen Platz hat, legt die Bürokratie einem Steine in den Weg – diesen Fall hatte ich vor einigen Jahren, als ich an der Uni Tübingen studiert habe.
    In dieser Zeit war ich Lehramtsstudent auf Chemie und Physik im beginnenden dritten Semester – aufgrund von Stundenplanproblemen wollte ich mein zweites Hauptfach von Physik auf Biologie wechseln. Biologie auf Lehramt ist aber mit einem NC besetzt, also musste ich mich nochmals bewerben. Mein Abitursschnitt lag mit 2,0 knapp unter dem NC, ich konnte aber mit ein paar anderen Bescheinigungen noch die nötige Notenverbesserung schaffen.
    Als ich aus meinem Urlaub zurück kam, war ein Brief da, in dem es hieß, dass ich meinen Studienplatz bekommen habe, mich aber noch separat rückmelden müsse (Ich hatte mich bereits regulär für das kommende Semester rückgemeldet und auch brav die Studiengebühren bezahlt) – Die Deadline, von der im bisherigen Schriftverkehr nie die Rede war, war eine Woche her.
    Am nächsten Morgen ging ich zum Studentensekretariat, um die Sache zu klären. Dort erfuhr ich, dass mein Studienplatz bereits im Nachrückverfahren vergeben worden war, da ich besagte Frist zur sepaarten Rückmeldung nicht eingehalten hatte. Ich argumentierte, dass diese Frist im vorangegangenen Schriftverkehr (und davon gab es eine Menge) nicht ein Mal erwähnt worden war – der Professor aber blieb hart und sagte mir, dass ich das jederzeit im Internet hätte nachlesen können (wenn ich mich zum Spaß ohne ersichtlichen Grund durch die komplizierte Navigation der Uni-Homepage gewühlt hätte). Ich hätte mich bestenfalls auf die Warteliste setzen lassen können – nicht einmal eine bevorzugte Behandlung wäre möglich gewesen, obwohl ich technisch gesehen in diesem Auswahlverfahren bereits zugelassen war.
    Das Ende der Geschichte: Ich habe zunächst auf Chemie Bachelor gewechselt, nach zwei weiteren Semestern aber abgebrochen und bin nun Auszubildender beim Tagblatt und kurz vor meiner Abschlussprüfung.