Für Parkour-Sportler wie Thore Schillmann und Carlos Medina ist der Beton das, was für ein Eichhörnchen der Wald ist

Von am
Flugplatz, Thema: Schönheit der Straße              Thore Schillmann

Thore Schillmann, Bild: Kaczmarek

Carlos Medina

Carlos Medina, Bild: Kaczmarek

„Nirgends kommt man dem Fliegen näher als im Parkour“, sagen Thore Schillmann und Carlos Medina. Die zwei Traceure brauchen keine Natur, um sich frei zu fühlen.

Im Botanischen Garten spazieren oder die Wilhelmstraße entlang joggen? Das kann jeder. Über Geländer springen wie ein Äffchen und dann noch Salti schlagen? Das können nur wahre Künstler der Straße: so genannte Traceure.

 

Flugplatz:    Parkour in Tübingen Bild: Kazcmarek

Flugplatz: Parkour in Tübingen
Bild: Kazcmarek

Thore Schillmann und Carlos Medina, beide 20 Jahre alt, gehen in ihrer Freizeit nicht einfach nur laufen. Die beiden betreiben Parkour oder Freerun. Man kennt das aus Youtube-Videos, wie meist Jungs in Jogginghosen über Geländer springen und Mauern hochhüpfen. Auch in Tübingen gibt es eine kleine Community, sagt Thore, und jeder hat seine eigenen Lieblingsplätze zum Trainieren.
Thore und Carlos etwa sind im Ahornweg auf WHO unterwegs, oder auf Spielplätzen. „Jeder hat seinen eigenen Stil“, meint Carlos. Der Unterschied zwischen Parkour und Freerun: Parkour ist, effizient von A nach B zu kommen. Freerun ist kreativ, mit Saltis und Flips.
Warum die beiden vier bis fünf Mal die Woche draußen auf der Straße trainieren? „Freiheit und Kreativität“, sagen Carlos und Thore gleichzeitig. Der Nachteil einer Halle ist etwa, dass man sich die Aufgaben selber zusammenstellt. Auf der Straße dagegen gibt es an jeder Ecke neue Herausforderungen.
Das, sagen sie, kann man auch auf sein eigenes Leben beziehen: Die Hindernisse sind Grenzen, die man überwinden muss. „Nirgends kommt man dem Fliegen näher als im Parkour“, erzählt Thore.
DSC06490Wer neugierig geworden ist, aber denkt „Das schaffe ich doch nie!“, der denkt falsch. Mit genügend und regelmäßigem Training kann Parkour jeder lernen. Die heute 20-Jährigen haben mit 14 angefangen – und sich bis auf ein paar Prellungen und Kratzer keine schwerwiegenden Verletzungen geholt. Das wichtigste im Parkour ist, erzählen sie, in jedem Augenblick des Sprungs zu wissen, wo in der Luft man sich befindet. Sobald man vor einem Sprung Adrenalin spürt, solle man nie springen – denn mit Adrenalin im Blut mache der Körper unvorhergesehene Dinge und dann sei die Gefahr, sich zu verletzen am größten.
Natürlich klappt vieles nicht auf Anhieb, doch Thore und Carlos arbeiten immer weiter an sich. Klappt ein „Move“ mal nicht, wird er immer wieder probiert. Geht dabei mal was schief, dürfe man keine Angst haben, es nochmal zu probieren. „Sonst bleibt die Angst nämlich und man macht den Sprung nie wieder“, erzählt Thore aus eigener Erfahrung.

The following two tabs change content below.