Für die große und aktive Tübinger Sprayer-Szene ist Beton wie eine einzige, leere Leinwand

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Kunstvolle Graffiti in Tübingen. Bilder: Chaiko

Die Begriffe Straßenkunst und Graffiti sind untrennbar geworden. Da uns immer wieder Vielzahl solcher Kunstwerke auf Häuserwänden und Fassaden von Tübingen aufgefallen sind, wollten wir dem Thema genauer nachgehen – doch leider ist das gar nicht so einfach.

Denn Sprayer bleiben der breiten Öffentlichkeit gerne unbekannt, die Motivation für ein Interview mit der Lokalzeitung hält sich in Grenzen. Oft bekamen wir vorsichtige Blicke, verbunden mit Sätzen wie „Ich hab damit nichts zu tun“, „Fragen Sie jemanden anderen“ oder „Ich muss jetzt los“. Da uns das ziemlich gewundert hat, sprachen wir mit Red EyedIMG_6498 Rick. Der Epplehaus-Mitarbeiter organisiert die Graffiti-Kunst an den Wänden des Jugendzentrums. Das Epplehaus engagiert sich stark, um die legale Graffitis-Sene aufrecht zu erhalten.

So sponsert der Verein den Sprayern immer wieder Farben und organisiert Veranstaltungen wie das Ract, wo Sprayer ihre Talente zeigen können. So sprayte beispielsweise eine Gruppe aus Valencia die rechte Wand des Epplehauses beim letzten Ract. „In Tübingen ist die Graffitiszene groß und beliebt unter Schülern und Studenten“, sagt Red Eyed Rick. „Es gibt mehrere Locations, wo das Sprayen erlaubt ist, etwa das Epplehaus, die Panzerhalle oder die alte Stadtbibliothek“.

Die Sprayer sähen ihre Kunstwerke als Zeichen, mit denen sie sich verewigen. Fotos von den Werken wandern auf zahlreiche Internet-Seiten. Im vergangenen Jahr kam es immer wieder zu so genanntem VandalismusIMG_6497, etwa zum Ansprayen von Nachbargebäuden des Epplehauses oder Anbringen von diskutablen Botschaften an die Fassaden der Wilhelmstraße. Deshalb fahndete die Polizei gezielt – und deshalb möchten nur wenige namentlich mit dieser Straßenkunst in Verbindung gebracht werden. Schade, denn viele Werke sind wirklich gelungen, gerne hätten wir die Künstler befragt.