„Für den Flugplatz von Julia ;)“

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Hauptsache Konfetti: Kleiner Liebesbrief von Poetry-Slammerin Julia Engelmann an die FLUGPLATZ-Redaktion.

Julia, also Julia Engelmann, ist eine Poetry-Slammerin. Was kann man sich darunter vorstellen? Schwierig in Worte zu fassen – denn es sind genau die Worte, welche hier begeistern. FLUGPLATZ hat die bekannte Bühnenkünstlerin getroffen und mit ihr gesprochen.

Wenn sie auf der Bühne steht, sieht man eine 23-jährige Frau mit einer braunen Bomberjacke, hinter ihr aufgestellt in bunt ein  paar Sterne und ein Planet (selbst gebastelt). Um einen herum hören alle gebannt, was über ihre mit rotem Lippenstift betonten Lippen kommt. Oft kriegt man nicht ganz genau alles mit was sie sagt – da Julia zwischendurch ziemlich schnell redet und es sich dann ab und zu auch noch reimt. Doch deshalb gibt das, was sie sagt, für viele einen Sinn und fasst Dinge in Worte, die uns motivieren und sogar zufrieden machen.

Den meisten Menschen ist Julia Engelmann durch ihre Gedichte bekannt, die sie selber schreibt und welche meist genau in unsere Zeit passen. In ihrem Text „Erwachsen werden“, beschreibt sie diese Zeit mit Worten wie: „ …Chillen, relaxen, messegertexten,…, Youtuben, abrooven, facebooken, vintage looken,…“.

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Julia Engelmann mit FLUGPLATZ-Autorin Stella Reinartz.

Aufmerksam wurde man auf Julia Engelmann vor drei Jahren über ein YouTube-Video, in dem sie bei einem Hörsaal-Slam ihren bislang erfolgreichsten Text vorträgt. Dier basiert auf dem Song  „One Day/Reckoning Song“, wodurch uns beim Hören ihres Textes immer die leise Melodie des Songs im Ohr bleibt – und den Zuhörer doppelt so weit wegträgt, in die Erkenntnis frei zu sein und im Hier und Jetzt leben zu können.

In dem Text „One Day“ ist die Kraft ihrer Worte gut verständlich: „ Der Sinn des Lebens ist leben, das hat schon Casper gesagt, let´s make the most of the night, das hat schon Kesha gesagt, lass uns möglichst viele Fehler machen.“  Neben dem lebendigen „One Day“-Text, gehen weitere Gedichte von Julia die Themen an, in welchen sich viele Menschen wiederfinden können: „Stille Wasser sind attraktiv“, „Nicht allein, aber einsam“ und „Bestandsaufnahme in 3 Teilen“ sind der Anfang einer Reihe ihrer inspirierenden Gedanken, die sie in poetische Worte gefasst hat.

Jetzt aber mal von Anfang an: Julia Engelmann ist heute 23 Jahre alt, geboren in Bremen und sammelte erste Schauspielerfahrungen in einem Jugendtheater. Zwei Jahre lang spielte sie in der RTL-Soap „Alles was zähl“ die Eishockeyspielerin Franziska. Nebenher nahm sie an vielen Poetry-Slams teil, welche sie oft auch gewann. „Irgendwann habe ich aufgehört mit zu zählen, bei wie vielen ich war“, gibt Julia im Gespräch mit FLUGPLATZ zu. Sie studierte Psychologie, bis sich Anfang 2014, nach einem Auftritt beim 5. Bielefelder Hörsaal-Slam, über das Internet ein überraschender Hype um sie aufbaute. Heute hat sie zwei eigene Bücher herraus gebracht, die voll sind mit ihren Poetry-Slam-Texten und ihren eigenen kleinen Zeichnungen (auf die sie bestanden hat).

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Stimme einer Generation: Engelmann auf der Sudhaus-Bühne in Tübingen. Bild: Reinartz

In Tübingen beendete Julia Engelmann kürzlich ihre ausverkaufte Tour, während der sie über 25.000 Menschen begeisterte. Flugplatz hat sich das natürlich nicht entgehen lassen. Nach den ersten drei Gedichten, die Julia im Sudhaus mit Leichtigkeit und lockerem Humor zum Besten gab, holte sie ihre Gitarre hervor. „Wir sind eine WG-Party“, warf sie laut ein – und damit meinte Julia das Tübinger Publikum, welches gleich darauf von ihrer Band begeistert wurde, die während ihres Songs „Just a One“ aus einem Mundharmonika-Solo (ohne Mundharmonika) und aus einem kleinen Improvisationsteil (Pfeifen) bestand. Das war eine lebhaft, außergewöhnliche Art den Song vorzutragen, die großen Applaus erntete.

„Sehr gute WG!“, begrüßte Julia Engelmann das Publikum in Tübingen. Als es dann zu dem Teil des Abends kam, den Julia stolz den „Festival-Teil“ nennt, erwartete die Zuhörer ein Song aus vier Akorden mit dem Namen „Dein Leben ist ein Taxistand“. Diesen Song hat sie einmal mit einer Freundin zusammengestellt  –   „in einem wahnsinnigen Moment, in dem beide dachten, man könnte alles schaffen“ und sich sicher waren: „Jop, das wird ein Hit“.

„Tübingen seid ihr alle da?“, fuhr Julia fort und fing an zu singen: Dein Leben ist ein Taxistand, stehst still, bist trotzdem ausgebrannt, dir ist kalt und du willst heim…“. Die Zuschauer hörten sich das belustigt an, obwohl der Song es wohl niemals in die Charts schaffen wird. Sie durften Julia nach dem philosophischen Teil  des Songs als Gospel-Chor, eine Oktave höher als Knabenchor und zuletzt als Hundewelpen, die mit einem „wuhuhuuu“ einsetzten, kräftig unterstützen.Viele weitere Gedichte ließ sie an diesem Abend  von sich hören. In einem, das sagen soll, was für ein Mädchen sie ist, schreibt Julia: Sie selber sei keine hotte Torte, sondern eher eine edle Tomate.

Julia Engelmann hat einen riesen Spaß an ihren Auftritten. Das zeigte sie in Tübingen auch mit dem Song „Wonderwall“, den sie auf Bitten spontan für das Publikum spielte. Mit dem Text über ein Eichhörnchen, dass an eine Kindergeschichte mit viel Zauber und auch  tiefer Aussagekraft erinnerte, beendete Julia den Abend.

Die Pop-Poetin ist dem Publikum immer sehr nahe. Sie erzählte dem FLUGPLATZ nach mehreren Fragen, dass sie ihre Improvisation aus dem eigenen Umfeld bekommt – und von Autoren wie Hesse und Goethe, aber und auch Taylor Swift. Hauptsächlich aber kommen die Texte aus einer Resonanz in ihr selber und der Frage „Denken andere wie ich?“.

Ihre Gedichte seien eine spontane Sache, erzählt Julia dem FLUGPLATZ. Auf die Frage, wie sie sich die ganzen Texte merken kann, antwortet Julia lachend: „Das ist wie ein Referat mit Kärtchen: Ich schreibe den Text selber auf, probe ihn und kann ihn bald automatisch auswendig. Ich bin kein Battle-Rap-Improvisator.“

 Julia Engelmann ist der festen Überzeugung, dass „jeder Moment für Konfetti da ist“ – und dass man sich also immer dann was wünschen sollte, wenn man Konfetti sieht. Da Konfetti nicht so selten wie eine Sternschnuppe zu sehen ist und man es überall hin mitnehmen kann. Julia wollte auf einem Foto vom FLUGPLATZ  nicht alleine zu sehen sein – und hat die Journalistin gleich mit aufs Bild gelockt, indem sie einzig für diesen Moment eine extra Konfetti-Portion für den FLUGPLATZ ins Bild warf (Bild oben). Außerdem super: Julia Engelmann, „die Stimme einer ganzen Generation“, hat sich  für den Flugplatz die Zeit genommen,  in Form einer kleinen Zeichnung Euch allen Grüße auszurichten (Bild ganz oben).

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Stella Reinartz

Geboren bin ich 1998 in Köln, heute wohne ich in Haigerloch und gehe auf die St. Klara Schule in Rottenburg. Ich habe Spaß am Schreiben, daher bin ich nach meinem Praktikum beim "Schwäbischen Tagblatt", beim Flugplatz gelandet. 🙂