FLUGPLATZ-Fluchtgeschichte Nr.4: 15.000 Dollar, um nicht zu kämpfen

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Karte: Rafael Winniger (Quelle: StepMap, 123map – Daten Openstreetmap, Lizenz Odbl 1.0)

Name: Naweedullah Amerkhel
Heutiger Wohnort: Stuttgart
Geboren: 1993 in der Provinz Wardak
Geflohen: 2009, mit 17 Jahren

Bis zu seiner Flucht mit 17 Jahren lebte Naweedullah Amerkhel mit seinen Eltern in der Provinz Wardak in Afghanistan. Er kannte die Nachbarn, und alles war vertraut – doch dann musste er mit zwei Cousins, die beide ebenfalls noch nicht volljährig waren, fliehen.

Ihre Eltern zahlten 15000 Dollar, um ihnen die Flucht vor dem Krieg und den Taliban zu ermöglichen. Die Taliban waren in seinem Ort sehr stark, sie zwangen die Leute, sich ihnen anzuschließen. Wer sich weigerte, wurde umgebracht.

Das Geld rettete sie also vor der Zwangsrekrutierung – denn alle, die sich die Flucht nicht leisten konnten, mussten sich den Kämpfern anschließen oder stürzten sich in den sicheren Tod. Naweedullah flog mit seinen Cousins mit dem Flugzeug von Kabul nach Moskau. Sie hatten ein Visum und gültige Pässe. Die sammelte aber der Schleuser, der sie ins Innere Europas brachte, ein. Ihre Fahrt endete schließlich in Stuttgart – und sie erfuhren nie, durch welche anderen Länder sie auf ihrer Flucht kamen.

Das war im Jahr 2009. Naweedullah sprach kein Wort Deutsch. Dass er gut Englisch sprach, half ihm zwar bei der Verständigung mit anderen, erleichterte es ihm aber nicht, sich in einer unbekannten Stadt mit Menschen mit eigenartigen Gewohnheiten und einer fremden Sprache zurechtzufinden.

Vor drei Jahren stellte er einen Asylantrag – er wurde nun geduldet und durch die Hilfe des AK Asyl konnte er ehrenamtlich arbeiten. Er knüpfte Kontakte und lebte sich besser ein. Er stellte erneut einen Antrag. Die Bearbeitung läuft noch. Zurzeit macht er seinen Realschulabschluss – und später würde er gern als Übersetzer arbeiten, da er bereits sechs Sprachen fließend spricht: Paschtu, Dari, Urdu, Persisch, Englisch und Deutsch. Wenn er die nötigen Papiere hat, will er seine Eltern besuchen. Sie sind nach Pakistan geflüchtet.

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Sophia Juraschitz

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