Eine Woche nur Blumen

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g_640_434_155598_Ein Selbstversuch in sieben Tagen: Auf meine Lieblingsgerichte habe ich verzichtet, auch meine Lederjacke musste im Schrank bleiben. Ich habe versucht, eine Woche vegan zu leben. Das heißt: keine tierischen Produkte, überhaupt keine.

Bevor ich mein Experiment startete, informierte ich mich darüber, was ich essen durfte – es war erstaunlich wenig. Beispiel Chips: Ich dachte, sie bestünden aus Kartoffeln und Gewürzen. In Wirklichkeit sind viele Chipsorten nicht einmal vegetarisch. Doch da es in Deutschland 250 000 bis 460 500 überzeugte Veganer gibt, war ich zuversichtlich, dass ich das Experiment überstehen würde.

Zuhause essen war nie ein Problem: Es gibt viele leckere vegane Gerichte, die nur darauf warten, ausprobiert zu werden. Gefüllte Avocado etwa würde ich den meisten „normalen“ Gerichten vorziehen. Zumal eine Avocado die einfachste Möglichkeit für einen Veganer ist, Vitamin D aufzunehmen. Auch beim Frühstück habe ich Butter oder Käse nicht vermisst. Es gibt vegane Aufstriche, die so gut schmecken, dass mir nichts gefehlt hat. Nur beim Blick in den Kühlschrank hat es viel Selbstüberwindung gekostet, kein Würstchen herauszugreifen.

Auswärts zu essen war eigentlich auch kein Problem, man musste sich nur im Voraus informieren. Was immer geht: Pizza ohne Käse oder ausgewählte Nudelgerichte beim Chinesen. Schwierig wird es, wenn man nachts hungrig durch die Stadt läuft und außer Dönerläden nichts mehr offen hat. Die letzte Möglichkeit ist dann, sich bei einem Fastfood-Restaurant Pommes zu bestellen. Pommes selbst bestehen erstaunlicherweise wirklich nur aus Kartoffeln und Salz.

An meiner Schule ist es schon schwierig, vegetarische Gerichte oder Snacks zu finden. Veganes Essen zu finden war unmöglich, denn schon eine einfache Brezel ist möglicherweise nicht vegan, da sie mit Schweinefett hergestellt sein kann. Aber wenn man Essen von Zuhause mitbringt und die Spötteleien über sich ergehen lässt, kann man auch in der Schule gut zurecht kommen.

Momente, in denen ich den Selbstversuch abbrechen wollte, gab es kaum, zumal ich mich besser fühlte. Einen gab es allerdings, am Nikolaustag, als der Stiefel mit lauter nicht-veganen Sachen gefüllt war. Nicht einmal die Kaubonbons konnte ich essen, da sie mit Bienenwachs überzogen waren. Aber zum Glück ist vegane Schokolade ein ganz guter Ersatz.

Vor dem Experiment dachte ich, ich würde abnehmen. Das war aber nicht der Fall. Vielleicht, weil eine Woche zu kurz war. Mir kam es nicht so vor, als würde ich weniger essen – nur anders, bewusster und gesünder. Bewusster habe ich gegessen, da man vor jedem Verzehr die Inhaltsstoffe genau analysieren muss und man die Dinge manchmal aufgrund der vielen Zusatzstoffe wieder weglegt. Jeden Tag fühlte ich mich besser, vor allem die nachmittägliche Müdigkeit fiel weg. Das erste Mal Fleisch nach dieser Woche war zwar gut, aber nicht so gut wie erwartet.

Obwohl ich mich besser gefühlt habe, wäre ein veganes Leben nichts für mich: Zu groß wäre der Verzicht. Allerdings werde ich künftig weniger tierische Produkte und mehr Obst und Gemüse essen.

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Marvin Graewert

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