Eigene Forschung auf der Bühne

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Wiebke Schick bei einem Science-Slam.
Privatbild

Was früher trocken war und „Referat“ hieß, sorgt jetzt als „Science-Slam“ für Begeisterung.

– von Shamana Ebinger


Von blitzschnellen Botschaften und großen Gewittern handelte der so genannte „Science-Slam“ der Baden-Württemberg-Stiftung in Stuttgart Anfang Mai. Alles drehte sich dabei um das Gehirn. Mit dabei: Eine Tübingerin, die sich lange und ausführlich damit beschäftigt hat, wie der menschliche Wissensspeicher eigentlich funktioniert.

Wiebke Schick ist Kognitionswissenschaftlerin. Ich treffe sie auf der Neckarbrücke, wo mir sofort Ronny, das Neuron, eine fröhliche Gehirnzelle aus Stoff ins Auge sticht. Schick trägt Ronny bei sich. Aufgeschlossen und mit leuchtenden Augen erzählt sie mir, was sie eigentlich so am Gehirn fasziniert: seine Plastizität, seine Lernfähigkeit und die Fähigkeit, die ganze Wahrnehmung eines Menschen zu steuern.

Wiebke Schick wuchs in Winterlingen auf der Schwäbischen Alb auf und besuchte in Albstadt-Ebingen die Schule. „Schon mit 15 Jahren habe ich mich für das Gehirn und seine Fähigkeiten interessiert“, erzählt sie begeistert. Gleichzeitig war sie – und ist es immer noch – eine begeisterte Leserin. So war für die junge Frau zunächst also auch eine Zukunft im Journalismus vorstellbar.

Nach dem Abitur begann Schick Medizin zu studieren. Ein schwerer Unfall in jungen Jahren versetzte die damals 19-Jährige ins Koma. Auf den langwierigen Genesungsprozess folgte nach sieben Jahren der erste epileptische Anfall. Dieser bremste ihren Traum, einmal Ärztin zu werden, aus. Schick hatte zu diesem Zeitpunkt das Physikum erreicht. Seit dem Anfall macht sie sich für das Thema Epilepsie stark.

Die junge Frau begann Allgemeine Rhetorik und Neuere Englische Literatur an der Tübinger Universität zu studieren. Obwohl sie sich in den Geisteswissenschaften aufgehoben fühlte, vermisste sie doch ihre Naturwissenschaft und kehrte durch das Studienkolleg des Forum Scientiarum zu ihr zurück. Seitdem forscht sie zum Thema Raumkognition und schreibt im Moment ihre Doktorarbeit darüber.

Mit plastischen Beispielen und eindrucksvollen Beschreibungen erzählt die Forscherin bei unserem Treffen von den Funktionen des Gehirns. Doch wie lässt sich das alles in Gedichtsform bei einem Science-Slam zusammenfassen? Alle Teilnehmer, so erfahre ich, haben ein Zeitfenster von etwa zehn Minuten. Schick erzählt, dass man selbst die Dinge oft aus einer anderen Perspektive sieht, wenn man sie auf zehn Minuten reduziert. „Schön am Slam ist auch, dass die unterschiedlichsten Themengebiete vorkommen“, sagt sie . „Es ist toll, wenn man seine eigene Begeisterung für ein Thema auch anderen Leuten zeigen kann.“

Während der Poetry Slam, der mittlerweile vielen ein Begriff ist, Raum für ganz eigene Texte gibt, muss beim Science Slam eigene Forschung die Grundlage sein. Wer den Wettbewerb schließlich gewinnt? „Das kann durch den Applaus der Zuschauer, aber auch durch die Abgabe von Murmeln ermittelt werden“, so Schick. Da sei man ganz kreativ.

Kreativ müsse man auch beim Schreiben der Texte sein, so Schick: „Man muss komplexe Themen gut vereinfachen können.“ Und dann sei es auch immer gut, das eine oder andere Element zu entdecken, das sich für einen Lacher eignet und den Auftritt noch ein bisschen unterhaltsam macht.

Wiebke Schick ist das beim Science-Slam in Stuttgart scheinbar ziemlich gut gelungen: So gewann sie dort den dritten Platz. Es war ihr insgesamt 28. Auftritt bei einer solchen Veranstaltung, wie sie schmunzelnd erzählt. Zu den Wettbewerben reist sie durch ganz Deutschland und die Schweiz.

Trotzdem kommt sie auch immer wieder gerne nach Tübingen zurück. Während Stocherkähne mit lachenden Gruppen über den Neckar schippern, erzählt sie von ihrem Geheimtipp in der Studentenstadt: „Im oberen Botanischen Garten im Bereich Biologie findet man ein wunderbares Naturerlebnis zwischen Uni und Arbeit.“

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