Der Erste Weltkrieg im Film: „La chambre des officiers“ bei den Französischen Filmtagen

Von am

Der Film „La chambre des officiers“ von Franҫois Dupeyron handelt von einem Leutnant, der am Anfang des Ersten Weltkriegs von einer Granate verletzt wird. Er ist bewegend, traurig und richtig gut. Der Film zeigt, wie man mit Veränderungen zurechtkommt – und jeder könnte von ihm etwas lernen.    – eine Filmkritik von Sophia Juraschitz

„La chambre des officiers“ beginnt sofort spannend und ist mit dramatischer Filmmusik unterlegt:  Leutnant Adrien, der Held des Films, lernt eine Frau namens Clémence kennen und verliebt sich in sie. Am nächsten Morgen schleicht er sich davon und lässt ihr nur einen Brief da. 

Als Adrien mit anderen Soldaten ausreitet, wird er durch einen Luftangriff von einer Granate verletzt. Er wird in ein Hospital in Paris gebracht, wo sich besonders eine Krankenschwester um ihn kümmert. Als es ihm gut genug geht, sich Gedanken über sein Äußeres zu machen, fragt er nach einem Spiegel – aber die Krankenschwester will ihm diesen Wunsch nicht erfüllen.

Ein Studienfreund von ihm besucht ihn. Als der Freund ihn sieht, bricht er in Tränen aus. Da Adrien nicht mehr sprechen kann, schreibt er seine Anliegen auf eine kleine Tafel. Adrien bittet seinen Freund, als dieser das zweite Mal zu Besuch ist, ihn zu zeichnen – doch auch er geht nicht auf seine Bitte ein. Schließlich kommt Adrien auf die Idee, sich in einer Fensterscheibe zu betrachten. Sein Gesicht ist entstellt, sein eines Augenlied hängt etwas runter und seine Oberlippe ist auf der einen Seite hochgezogen und verkrüppelt.

Adrien ist von sich selbst so angeekelt, dass er sich erschießen will, aber er bringt es nicht über sich und lässt die Pistole sinken. Jemand anders in seinem Krankensaal macht ihm den Trick nach – als er sein Spiegelbild sieht fängt er an zu weinen. Adrien tröstet ihn, und das ist der Anfang einer Freundschaft zwischen den beiden und einem dritten Kranken. Die Freundschaft baut alle gleichermaßen auf und stärkt ihr Selbstbewusstsein. Sie spielen der Krankenschwester witzige Streiche und haben Spaß. So kommen sie nach und nach alle besser mit ihrer Entstellung zurecht. 

Nach einer Operation kann Adrien wieder sprechen zwar nur mit großer Mühe aber in der darauf folgenden Zeit übt er rührend die genaue Aussprache verschiedener Laute.
Sein Freund teilt ihm bei seinem nächsten Besuch mit, dass er wieder an die Front zum Kämpfen gehen würde. Er meinte, er würde für ihn und die anderen Verletzten und gefallenen Soldaten kämpfen. 

Adrien bekommt von seiner Schwester Besuch, er will sie eigentlich nicht sehen, weil er vor ihrer Reaktion auf sein entstelltes Gesicht Angst hat. Sie stößt ihn nicht weg, sondern schließt ihn in ihre Arme.  

Die frohe Nachricht des Kriegsendes kommt am gleichen Tag an wie die vom Tod seines Freundes. Um ihn herum feiern alle – nur ihm ist nicht zum Feiern zumute.
Kurz nach Ende des Kriegs wird er entlassen. Er kommt nach Hause zu seiner Familie. Seine Mutter kann nicht mit seiner Entstellung umgehen und verschwindet weinend auf ihr Zimmer. Der Rest seiner Familie empfängt ihn rührend. 

Eines Abends trifft er im Konzert auf Clémence, die Frau in die er sich am Anfang des Films verliebt hatte, doch sie erkennt ihn nicht wieder und geht. In der Pariser U-Bahn sitzt er einer Mutter mit einer kleinen Tochter auf dem Schoß gegenüber. Das Kind hat Angst vor ihm und vergräbt das Gesicht in den Händen. Adrien verdeckt seine entstellte Gesichtshälfte mit seinem Hut und bringt das Kind durch Grimassen zu Lachen.

Es lohnt sich auf jeden Fall diesen Film anzuschauen! Er ist bewegend, traurig und richtig gut. Er zeigt, wie man mit Veränderungen zurechtkommt und jeder könnte von ihm etwas lernen. Durch einige heitere Szenen wird der Film etwas leichter, sonst wäre er zu bedrückend. So aber finde ich ihn sehr gut – zudem wird er von schöner und dramatischer Filmmusik begleitet.
Und auch wer nicht fließend Französisch spricht, sollte den Film verstehen.

The following two tabs change content below.

Sophia Juraschitz

Neueste Artikel von Sophia Juraschitz (alle ansehen)