Was droht finanziell bei einer Scheidung?

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Marina Rothardt-Reiter Privatbild

Marina Rothardt-Reiter
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Es gibt viele Gründe, warum sich Ehepaare scheiden lassen wollen. Doch wer einmal den Bund der Ehe geschlossen hat, der kann ihn nicht einfach so wieder aufheben. Wir haben mit der Scheidungsanwältin Marina Rothardt-Reiter gesprochen.

Zu allererst, sagt sie, muss man einen Scheidungsantrag beim zuständigen Amtsgericht stellen. Voraussetzung dafür ist ein Trennungsjahr, das heißt, die Ehepartner müssen schon seit mindestens einem Jahr getrennt leben, so Rothardt-Reiter.

Ganz billig ist das ganze Prozedere nicht: Zu allen möglichen Kosten addieren sich die Gerichtsgebühren – und den Anwalt oder die Anwältin muss man auch bezahlen. Die Gebühren erhebt der Anwalt mit der Rechtsanwalts-Gebühren-Tabelle. Ein Beispiel: Die Ehefrau verdient 3000 Euro netto, der Mann verdient 5000 Euro Netto. Dies wird zusammengezählt und mal 3 genommen. So kommen wir auf einen sogenannten „Gegenstandswert“ von 24.000 Euro. In der Tabelle steht nun gegenüber dem Gegenstandswert die Anwaltsgebühren. Dies wären in unserem Beispiel 2368 Euro und 10 Cent und 742 Euro Gerichtsgebühren: kein preiswertes Unterfangen, so eine Scheidung.

Und doch kann sich jeder scheiden lassen. „Das Gericht kann die Kosten übernehmen, allerdings muss man dazu einen Antrag auf Verfahrenskostenhilfe stellen.“ Dann entscheidet das Gericht, ob es die kompletten Kosten übernimmt oder nicht.

Schließlich kommen auf einen nicht nur Kosten zu, sondern auch Stress: Denn zu dem Scheidungsantrag selbst wird gleichzeitig der so genannte Versorgungsausgleich mitverhandelt. Hierbei geht es um das Recht, einen bestimmten Geldbetrag im Rentenalter zu beanspruchen. Würden beide Partner einvernehmlich entscheiden, wäre alles schnell bei einem Gerichtstermin entschieden. Es gibt aber auch die andere Art von Eheleuten. „Es kann auch zu Streitigkeiten kommen“, so die Expertin, „beispielsweise über den Trennungsunterhalt, über das Sorgerecht und / oder das Umgangsrecht für die Kinder, über Hausratsauseinandersetzungen oder auch über Vermögensauseinandersetzungen.“ Das Gezerre sollten außergerichtlich ausgetragen werden. Kommt es trotzdem zu keiner Einigung, kann oder muss das Gericht entscheiden. Abgesehen von den rechtlichen Konsequenzen mag sich keiner die emotionalen und seelischen Folgen ausmalen, sagt Rothardt-Reiter. Vor allem, wenn über die Köpfe der Kinder hinweg entschieden werde.

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